Interview mit Nate Kenyon, Autor von „Diablo 3 – The Order“

Wir hatten vor einiger Zeit die Möglichkeit, uns mit Nate Kenyon zu unterhalten, dem Autor des neuesten Buches zu Diablo 3: „The Order“.

Das Buch widmet sich der Frage, was in den 20 Jahren zwischen den Ereignissen in Diablo 2 und denen in Diablo 3 geschehen ist. Im Fokus steht dabei Deckard Cain, der in allen drei Spielen hautnah dabei ist. Und zum ersten Mal ist er nun nicht nur ein (gesprächiger) Zuschauer, sondern steht selbst im Zentrum der Geschehnisse.

Klappentext von Diablo 3: The Order (zum Aufklappen)

inDiablo: Wir sprechen heute mit Nate Kenyon, Autor des Buches „Diablo 3 – The Order“. Willkommen, Nate.

Nate Kenyon: Hallo.

inDiablo: Du hast ja den „Bram Stoker Award for Short Fiction“ gewonnen und bist ein erfolgreicher Autor. Wie kommt man von Fantastik und Horror zum Schreiben für Blizzard Entertainment-Spiele, wie etwa StarCraft oder Diablo 3?

Ich hatte die meisten Blizzard-Spiele gespielt und kannte die Hintergrundgeschichten der einzelnen Franchises, aber ich bin kein Hardcore-Gamer. Offensichtlich gefiel mein Schreibstil den Verantwortlichen bei Blizzard und wir vereinbarten eine erste Telefonkonferenz. Und es passte sofort! Die Story, die sie geplant hatten, gefiel mir sehr gut und ich wusste ja von den Vorgängern, dass Blizzard eine gute Geschichte erzählen kann. Die nächsten Meetings waren dann immer sehr kreativ, wir haben uns gegenseitig Ideen geliefert, neue Einfälle diskutiert und dabei entstand die Grundidee meines ersten Buches für Blizzard.

inDiablo: Wie hast du dich auf das Schreiben von „The Order“ vorbereitet? Hast du die Vorgänger noch einmal gespielt?

Ich wollte ein Buch abliefern, das so gut ist wie nur irgend möglich und auf allen Ebenen funktioniert. Und deswegen habe ich mich mehrere Monate lang vorbereitet: Ich habe alle Spiele gespielt, alle Bücher und Comics zum Diablo-Universum gelesen, die Wikis durchstöbert und mit den Leuten bei Blizzard gesprochen. Ich glaube, dass sich dieser Einsatz ausgezahlt hat. Und ich durfte sogar eine ganz frühe Version des Spiels spielen, um ein Gefühl für die Atmosphäre in Diablo 3 zu bekommen…

inDiablo: Also hat man dich bei Blizzard bei Leibeskräften unterstützt.

Auf jeden Fall. Das Buch handelt ja von den 20 Jahren, die zwischen Diablo 2 und Diablo 3 vergehen. Es ist also unglaublich wichtig für das gesamte Diablo-Universum. Und Blizzard achtet im Gegensatz zu manch anderer Spielefirma darauf, dass Bücher zum Spiel zu der Geschichte passen, die sie erzählen wollen – thematisch wie stilistisch. Das war natürlich herausfordernd.

inDiablo: Häufig strotzen solche „Tie-In-Bücher“ ja vor flachen Handlungen oder Personen. Wie bist du als Autor an dieses Problem herangegangen?

Ich habe über die Jahre eine Liste mit „Dos“ und „Don’ts“ gesammelt… und eine der wichtigsten Sachen darauf ist, spannende Charaktere zu entwickeln. Denn wenn die Charaktere den Leser nicht interessieren, dann interessiert ihn auch nicht, was sie tun oder was mit ihnen geschieht. Dann kann die Geschichte die spannendste Achterbahnfahrt sein und es wird niemanden interessieren. Man muss die Figuren lieben oder hassen können. Das ist mir wichtig, egal, für welches Medium ich gerade schreibe.

Weißt du, die Handlungen von Computerspielen sind in den letzten Jahren wesentlich komplexer geworden. Moderne Spiele erzählen epischere Geschichten als früher. Und ich hatte die Gelegenheit, diese Lücke zu schließen und bei einigen der alten Charaktere etwas in die Tiefe zu gehen: Wer ist diese Person? Woher kommt sie? Warum ist sie gut oder böse?

inDiablo: Gerade die Diablo-Serie war ja immer ein Vorreiter, was atmosphärische Spielwelten angeht. Man konnte überall verstaubte alte Bücher finden, die einem die Vorgeschichte näher bringen…

Ich mag diese Atmosphäre sehr gerne, aber ich wollte von dem altertümlichen Stil dieser Texte weggehen und eine etwas modernere Sprache verwenden. Dort, wo ich in Rückblenden die Schlüsselereignisse der Vergangenheit erkundet habe, habe ich durchaus meinen Spaß damit gehabt, etwas „antiker“ zu schreiben.

inDiablo: Eine letzte Frage: Aktuell ist das Buch nur auf Englisch erhältlich. Ist eine deutsche Version geplant?

Die Entscheidung darüber liegt letztendlich bei Blizzard. Ich würde mich natürlich unglaublich darüber freuen, wenn es mein Buch auch nach Deutschland schaffen würde! [Anm. indiablo: wir haben es vorausgesehen – das Buch erscheint am 17. Juli auf Deutsch!]

inDiablo: Vielen Dank für das Interview, Nate.

Gerne doch.