Allein unter Millionen

Stellt euch vor, Diablo 3 ist endlich da. Ihr habt das Spiel gekauft und betretet nach der Installation gespannt das Battle.net. Doch ihr seid dort allein, weit und breit ist kein anderer Spieler zu sehen. Dabei seid ihr euch doch so sicher, dass das Spiel sich bombastisch verkauft hat und bereits hunderttausende Spieler online sein müssen. Wie ist es dann möglich, dass man nirgendwo jemanden sieht?

Diablo 3 - Allein unter Millionen?

Für immer allein?

Klingt komisch? Es könnte aber tatsächlich so kommen. Das Battle.net ist eine der größten Multiplayer-Plattformen der Welt. Die StarCraft 2 Spieler kommen schon seit fast 2 Jahren in den Genuss des neuen Services, doch über die gesamte Zeit gab und gibt es einen Kritikpunkt: Man fühlt sich im Battle.net 2.0 eigentlich immer allein, egal wie viele Spieler gerade spielen. Dabei wurde im Vorraus immer wieder betont, wie gut das Battle.net sich dazu eignen wird, andere Spieler zu finden und mit seinen Freunden zu spielen. Das funktioniert auch hervorragend, solange man nur Zufallsspiele mit Fremden machen möchte oder mit Leuten spielen will, die man auch außerhalb des Spiels kennt. Neue Leute im Battle.net kennen zu lernen war fast unmöglich. Nach langem Flehen und Bitten führte Blizzard dann schließlich ein kleines Fenster ein, dass als öffentlicher Chatchannel dienen sollte, im Vergleich zum alten Battle.net eine eher unbefriedigende Lösung.

Wo sind nur all die Spieler?

Es scheint, als hätte Blizzard für Diablo 3 nichts aus den Forderungen der StarCraft 2 Community gelernt. Auch hier fehlen die Chatchannel zumindestens in der Beta vollständig.
Dies führt zu einigen Einschränkungen bei der Gruppenbildung. Man müsste zuerst mal die Battle.net-Namen und IDs der potentiellen Mitspieler herausfinden, alle zur Freundesliste hinzufügen und dann alle in einen Gruppenchat einladen.

Natürlich lässt sich so etwas über Fanseiten oder Chats wie das IRC organisieren, sonderlich komfortabel ist dies jedoch nicht. Schon im 12 Jahre alten Diablo 2 konnte man unkompliziert einem der nationalen Standardchannel wie Deu-1 oder aber in einem eigenen Channel wie op indiablo beitreten. Dort traf man Gleichgesinnte, mit denen man sich zu Quests verabreden konnte, die man um Hilfe bitten oder mit denen man einfach über das Spiel diskutieren konnte. Mit Sicherheit hat jeder Diablo-Spieler die ein oder andere lustige Erfahrung im Chat gemacht. Vielleicht hat man dort Leute getroffen, die es irgendwann auf die Freundesliste schafften oder die man dann irgendwann auch mal in der wirklichen Welt kennenlernte.

Dies scheint Blizzard nun allem Anschein nach dem Zufall überlassen zu wollen – neue Spieler lernt man zumindest in der Beta nur in Zufallsspielen kennen. So kann man sich nach vielleicht 10 Minuten entscheiden, ob man jemanden nun auf die Freundesliste nimmt oder nicht. Die übliche Kommunikation innerhalb von öffentlichen Spielen bestand meist aus kürzeln wie „pp“ oder „tp plz“. Dank dem Drang, immer schneller zu Erfolgen kommen zu müssen, dürfte dies auch in Diablo 3 so aussehen. Spieler während Runs oder Quests kennenzulernen dürfte also mit Schwierigkeiten verbunden sein.

Für diese simplen Channel wurde lange gekämpft…

Dabei hatte Bashiok die Existenz der Chatchannel für Diablo 3 eigentlich bestätigt, in der Beta ist jedoch nichts davon zu sehen. Hat man die Chatchannel also einfach wieder stillschweigend entfernt? Zumindestens in Starcraft 2 sträubte man sich lange gegen die Einführung, da man die Channel nicht ausreichend moderieren könnte und dort zu viel geflamed und gespamt würde. Erst nach mehr oder weniger massiven Protesten schafften sie es ins Spiel. Wenn sie in Diablo 3 vorhanden wären, sollten sie doch – wie alle anderen technischen Systeme auch – in der Beta getestet werden? Oder sind diese Tests einfach unnötig und man hat die Channel längst fertig, möchte sie uns aber noch nicht zeigen?

Das Fehlen dieser Channel würde eine der sozialen Komponenten des Spiels entfernen. In den Pausen konnte man immer gemütlich im Channel stehen, sich mit anderen Spielern unterhalten und die nächsten Runs oder Quests besprechen. Auch die Organisation von Events würde so deutlich erschwert, da man nun alle Teilnehmer irgendwo außerhalb des Spiels versammeln müsste. Insgesamt wäre das neue Battle.net ohne die Channel dem alten zumindestens schonmal in einem Punkt unterlegen. Und das kann sicher nicht Blizzards Ziel sein.

von Horst Schlemmer