Das Itemsystem – Ein Vergleich zwischen Diablo 3 und Diablo 2

Viele Spieler kritisieren derzeit das Itemsystem in Diablo 3 und bemängeln die fehlende Tiefe, dabei waren gerade die Items eine der großen Stärken des Vorgängers. Wo liegen die Gemeinsamkeiten, was sind die Unterschiede? Wir wagen uns an eine Analyse der beiden Itemsysteme und betrachten die wichtigen Punkte im Detail.

Das Itemlevel – Ein grundsätzliches Problem?

Das grundsätzliche Konzept des Itemslevels gibt es sowohl in Diablo 2 als auch in Diablo 3, allerdings wird es in beiden Spielen anders umgesetzt.
In Diablo 3 hängt das Itemlevel vom Grundtyp des Items ab. Das heißt, dass man im Prinzip schon beim Drop erkennen kann, ob ein Item gut sein kann oder nicht – hat der Gegenstand ein zu niedriges Level, so wird er kaum gute Werte bekommen können. Das Wiederverwerten lohnt sich auch erst ab einer gewissen Stufe, so dass man die meisten Items unter Level 61 beim Händler gegen ein bißchen Gold verkaufen wird, ohne sich überhaupt Gedanken über das Item machen zu müssen.
Diablo 2 setzte dieses Konzept grundsätzlich anders um. Hier spielte der Grunditemtyp keine Rolle für das Itemlevel, stattdessen war das Level des Monsters, das den Gegenstand fallen lies, entscheidend. Durch dieses System konnten auch Items sehr gute Werte erhalten, die man eigentlich schon recht früh im Spiel finden konnte, was für mehr Abwechslung sorgte. So konnten zum Beispiel Reife, Diademe und Krönchen fast die selben Werte erhalten, so dass man nicht schon beim Drop erahnen konnte, ob ein Item gut ist oder nicht. Auch optisch war so für ein wenig Abwechslung gesorgt – während in Diablo 3 langfristig alle Charaktere auf Gegenstände mit Itemlevel 63 aufrüsten werden und so abgesehen von der Farbgebung immer identischer aussehen werden.

Sehen wir uns nun einmal die Items im Detail an.

Die Grunditems

Weiße Items gibt es sowohl in Diablo 2 als auch in Diablo 3 in verschiedenen Qualitätsstufen. Sie lassen sich in Diablo 3 am besten mit zwei Worten beschreiben – nutz- und wertlos – egal in welcher Qualität. Es macht, von den ersten 15 Minuten des Spiels abgesehen, keinerlei Sinn, Grunditems überhaupt aufzuheben. Im schlimmsten Fall ärgert man sich nur wieder darüber, dass es doch wieder einige Exemplare in das eigene Inventar geschafft haben und wieder rausgeworfen werden müssen. Da Grunditems einen großen Anteil aller Drops ausmachen, kann man so auch gleich einen großen Teil der Drops geistig ausblenden. Es gibt keinerlei Verwendungszweck für diese Gegenstände, sie werden nur generiert, um die Illusion vieler gedropter Items aufrecht zu erhalten.

Diablo 2 löste dieses Problem ab der Expansion durch die Runenwörter. Während Grunditems vorher eigentlich auch keinen Nutzen hatten, konnte man anschließend diverse Runenkombinationen sockeln, die dem Item zum Teil sehr mächtige Eigenschaften verliehen haben. Außerdem konnten auf den Grunditems noch gewisse Modifikatoren auftreten, so dass z.B. auf weißen Paladinschilden Resistenzen vorhanden sein konnten, die diese Grunditems als Rohlinge für Runenwörter nicht nur sehr nützlich, sondern auch noch sehr wertvoll machen konnten. Es lohnte sich also durchaus, immer die Augen nach guten Rohlingen offen zu halten und weiße Items bekamen einen Sinn.

Magische Items

In Diablo 2 gab es durchaus sehr nützliche und wertvolle blaue Gegenstände. Dies war der Tatsache geschuldet, dass manche Affixkombinationen nur auf magischen Items auftreten konnten, nicht jedoch auf Rares, Uniques oder Sets. Die bekanntesten Beispiele sind wohl der JMoD, ein blauer Schild mit guten Blockwerten und vier Sockeln, Diademe mit 3 Sockeln und erhöhter Bewegungsgeschwindigkeit sowie Amazonenwurfspieße mit 6 Skillleveln und 40% erhöhter Angriffsgeschwindigkeit. Diese Kombinationen waren auf keinem anderen Itemtyp möglich, waren aber sehr mächtig und dementsprechend teuer und begehrt.

Ein anderes Einsatzgebiet war das Craften. Hier benötigte man für die Rezepte bestimmte blaue Items, die ein möglichst hohes Itemlevel aufweisen sollten.

In Diablo 3 lässt sich zu eigentlich jedem magischen Gegenstand ein besseres Rare finden, da diese bis zu 6 Affixe aufweisen können, allerdings sind bei beiden die selben Kombinationen möglich. Daher lohnt es sich im Endgame im Prinzip nicht mehr, magische Gegenstände überhaupt noch anzusehen. Eine Ausnahme stellen eventuell die Waffen dar, da man diese mit entsprechend hohen Schadenswerten noch verkaufen oder selber nutzen kann, auch wenn seltene Waffen diese immer schlagen können.

Seltene Items

Hier gibt es keinen großen Unterschied zwischen den beiden Spielen. In beiden Teilen können seltene Items sehr gut sein – in Diablo 2 können selbst die besten Gegenstände dieser Klasse aber meistens noch von Uniques oder Runenwörtern geschlagen werden, so dass man in den meisten Slots eher diese Items wählte. In Diablo 3 schwächeln die Legendaries seit Release aber ein wenig – bis auf wenige Ausnahmen sind durchschnittliche Rares meistens schon besser, was dazu führt, dass viele Charaktere fast ausschließlich seltene Items tragen. Dies soll mit einem der nächsten Patches allerdings behoben werden, so dass Legendaries zu einer echten Alternative werden sollen – ob dies gelingt, bleibt abzuwarten.

Legendaries, Sets, Uniques & Runenwörter

Die sehr seltenen Legendaries kann man im Prinzip eins zu eins mit den Uniques aus Diablo 2 vergleichen – und wird ziemlich schnell die große Schwäche der Legendaries erkennen. Während Uniques & Runenwörter dem Spieler zum Teil einzigartige Vorteile brachten, sind Legendaries eigentlich nur seltene Items mit einer anderen Farbe. Diese bieten außerdem die Möglichkeit, auf diversen Slots Affixe zu erhalten, die auf seltenen Gegenständen nicht vorkommen, allerdings in anderen Slots durchaus möglich sind. In Diablo 2 brachten Uniques hingegen echte Vorteile bis hin zur umstrittenen Möglichkeit, sogar Fertigkeiten anderer Charakterklassen zu nutzen. Viele dieser Eigenschaften waren für ein bestimmtes Item reserviert, so dass man sie nirgendwo anders finden konnte. In Diablo 3 kann man dagegen alle Eigenschaften auf anderen Slots finden. Diesen Nachteil hat auch Blizzard erkannt und will das Problem mit Patch 1.04 für Diablo 3 beheben. Die Legendaries sollen wieder einzigartige Eigenschaften erhalten.

Mögliche Lösungen des Itemproblems

Wie man sieht, fehlt es bei vielen Systemen rund um die Items derzeit noch an Tiefe. Was wären mögliche Lösungsansätze?

Um weiße Gegenstände aufzuwerten, fallen mir diverse Lösungsansätze ein, die sich hauptsächlich um das Craftingsystem beziehen. Dies könnte so aussehen, dass man für bestimmte Rezepte zunächst ein Grunditem des zu erstellenden Typs benötigt, um daraus dann zusammen mit anderen Materialien beim Schmied das gewünschte Item herzustellen – der Basisgegenstand dient sozusagen als weitere Zutat. Eine andere Möglichkeit wäre es, die Grundgegenstände wiederverwertbar zu machen und gleichzeitig die Anzahl der verschiedenen Craftmaterialien deutlich zu erhöhen. So könnte man z.B. neben den Essenzen noch Schwertgriffe, Klingen, Leder, Panzerplatten und ähnliche Materialien erzeugen, die für die Rezepte benötigt werden und so den Grundgegenständen einen Sinn geben.

Bei magischen Gegenständen ist die Lösung eigentlich naheliegend, Diablo 2 hat es vorgemacht. Während diese Gegenstände – und das ist auch gut so – in Diablo 3 meistens nur 2 Affixe erhalten können, sind diese die selben wie auf seltenen Items. Eine mögliche Lösung wäre es, den Affixen auf magischen Gegenständen höhere Werte zu ermöglichen. Hierbei wären beispielsweise eine höhere Sockelzahl oder höhere Resistenzwerte als auf seltenen Gegenständen denkbar. Während diese Items dann durch die geringe Anzahl an Affixen meist schwächer sind als seltene, könnten sie mit den richtigen Werten wieder einen Nutzen bekommen.

Bei den seltenen Gegenständen besteht derzeit eigentlich kein größeres Problem, diese funktionieren wie gedacht. Das Hauptproblem der Legendaries hat Blizzard erkannt und arbeitet bereits an einer Lösung.

Mehr Tiefe!

Glücksspiel, Sockelquest, Verzaubern – dies sind nur drei Dinge, die man in Diablo 2 anstellen konnte, um gute Items zu erhalten. Diablo 3 ist, allein was die Anzahl der Möglichkeiten angeht, im Nachteil. Als Spieler will man seine einmal gefundenen Gegenstände noch weiter verbessern können – sei es durch das Hinzufügen von Sockeln oder die Möglichkeit, dem Gegenstand durch Verzauberung eine weitere Eigenschaft zu spendieren. Hier könnte die von Blizzard kurz vor der Beta aus dem Spiel entfernte Mystikerin ins Spiel kommen, die genau solche Aufgaben übernehmen sollte.

Was soll man allerdings überhaupt sockeln? Für die meisten Slots gibt es eigentlich einen festen Edelstein, den man eben sockelt. Für Waffen sind dies meist Smaragde, in die restlichen Gegenstände sockelt man dann eben den Edelstein, der dem Charakter einen Bonus auf sein Hauptattribut gewährt – sonderlich spannend ist das nicht. Hier fehlen wieder die Möglichkeiten, die einem Diablo 2 durch Runen und vor allem durch Juwele bot.

Gerade Juwele würden ungeahnte Möglichkeiten bieten – als sockelbare, magische Gegenstände könnten sie für viel Tiefe sorgen. Statt sich also zwischen gerade mal vier verschiedenen Edelsteinen entscheiden zu müssen, könnte man sich so bis zu zwei zusätzliche Affixe pro Sockel beschaffen. Diese dürften natürlich nicht zu stark sein, sondern müssten mit den Edelsteinen abgestimmt werden.

Fazit

In Diablo 2 hatte jede Itemart noch ihre Besonderheiten und ihren eigenen Platz in der Welt. Die verschiedenen Itemsorten hoben sich klar voneinander ab und jede konnte den Charakter auf die ein oder andere Art voranbringen. An diesem Vorbild sollte Diablo 3 sich orientieren, statt alle Items gleich zu gestalten, aber einen Typ deutlich besser zu machen als die anderen. Stattdessen ist Vielfalt gefragt, man sollte im Idealfall jeden Itemslot sowohl mit einem seltenen Gegenstand, einem Legendary oder einem Setitem belegen können – und diese sollten dann möglichst gleichwertig sein können – und als Ergänzung sollten magische Gegenstände durchaus brauchbar sein.

Es gibt viele Möglichkeiten, dem Itemsystem mehr Tiefe zu verleihen und es so interessanter zu machen. Diese Möglichkeiten sind natürlich nicht auf meine hier geäußerten Ideen beschränkt, es gibt definitiv mehrere Wege die Gegenstände spannender als bisher zu gestalten. Mit der Veränderung der Legendaries geht Blizzard schon einen Schritt in die richtige Richtung, sofern diese nach dem kommenden Patch tatsächlich interessanter gestaltet werden. Es bleibt allerdings noch viel Spielraum, um die durch die Güteklasse des bis heute unerreichten Itemsystems aus Diablo 2 verwöhnten Spieler zufrieden zu stellen.

von HorstSchlemmer