Der Kampf gegen die Dummheit hat gerade erst begonnen – Ein Blick hinter die Kulissen der Anfängerhilfe

„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ Wer sich von der Wahrheit dieses Einstein-Zitats überzeugen möchte, dem empfehle ich sich ins BNet einzuklinken und zu versuchen einen Charakter in Public Games zu spielen.
Ich war kürzlich mit meinem neuen Totenbeschwörer im Lvl 24 in Akt3 unterwegs und spielte mit 4 – in Worten VIER! – anderen Necs in der Party, die es alle für eine richtig dolle Idee hielten mit einem Blutgolem rumzulaufen und Iron Maiden zu fluchen. Auf vorsichtige und höfliche Nachfrage, ob sie sich verabredet hätten und eine Art Fun-Party bilden würden konnte ich dann zwischen den erwarteten „LoOl nOOb“ und „IM roxx n4p“ heraushören, dass sie sich nicht kannten und jeder von ihnen unabhängig von den anderen zu dem Schluss gekommen ist, die Blutgolem+IM-Kombi sei eine glänzende Möglichkeit, einen Charakter bis zur Unbrauchbarkeit zu verskillen und allen anderen Spielern den Spass zu vermiesen.
Aber jeder kennt diese Geschichten zur Genüge und sie sind inzwischen nicht mehr besonders originell. Manchmal ist es dennoch zum schreien und man möchte es gautcho gleichtun und nur noch im SP spielen. Dabei ist es so, dass ich nach drei Jahren mit diesem Spiel noch jeden Tag auf Sachen treffe, die ich nicht erklären kann und von Leuten lese, die unendlich viel mehr Plan von manchen Sachen haben. Und doch scheint man weniger als Nichts wissen zu müssen, um sich durchs BNet zu schlagen und anderen Leuten auf die Nerven zu gehen. Dabei ist es gar nicht so sehr die Tatsache der verskillten Necs oder des nicht-vorhandenen Partyplays, dass mich auf die Palme bringt – auch Bugabusing, Dupes, Hacks und Bots lassen mich relativ kalt, weil sie meiner Ansicht nach nur die Konsequenz einer Ignoranz und Kurzsichtigkeit des durchschnittlichen BNet-Trolls sind.

Die Betreuer der Anfängerhilfe könnten nicht verschiedener sein – wir sind zwischen 17 Jahre und Mitte vierzig, kommen aus den unterschiedlichsten Ecken des Forums – vom Trade bis über den Hain und das Strategie- zum Classic Forum – wir beherbergen überdurchschnittlich viele der bedrohten Spezies der D2-Spielerinnen. Und es gibt oft intern Streit aufgrund der unterschiedlichen Charaktere, die dort zusammentreffen. Ein gemeinsamer Faktor, der die Betreuer verbindet ist meiner Meinung nach der Kampf gegen die Ausbreitung der Dummheit im BNet, so dass die Neuen zumindest die Grundlagen des Spiels beherrschen; einen Charakter besitzen, der nicht verskillt ist; nicht von /dnd-Betrügern abgezogen werden; wissen, dass die Benutzung von Meteor bei Baalruns nicht zu exp-Verlust führt (gerade das letzte erfreut sich aktuell großer Beliebtheit – wahrscheinlich hat jemand neben dem „tp-up“ noch ein „no meteor“ den Baalbots beigebracht).
Dieses Anliegen ist sicherlich vielen Leuten gemein, die sich auf indiablo engagieren, aber die AFH ist nach der Umstrukturierung durch Ambrosius vor knapp einem Jahr mit der Einführung von Seminaren insofern besonders, als dass durch die Anfänger-Seminare den Newbies aktiv geholfen wird und ihnen ingame gezeigt wird, wie man dieses Spiel auch spielen kann. Dabei sind die meisten schon erleichtert, wenn sie Fragen stellen dürfen ohne als noob beschimpft zu werden und in einer Party zu spielen, wo einer auf den anderen wartet, die Gegenstände nach Bedürftigkeit verteilt werden und es keinen Rush oder Shuttle gibt. Zumindest sind die Seminare seit Monaten ausgebucht und inzwischen hat sich auch eine kleine Community von ehemaligen Teilnehmern gebildet, die zusammen nach Ende des Seminars weiterspielen. So etwas versuchen wir dann durch eine Kneipe im AFH Forum und zukünftig vielleicht auch durch gemeinsame, fixe Spieltermine außerhalb der Seminare zu unterstützen.

Natürlich wäre es vermessen sich einzubilden die paar Leutchen, die ein Seminar in der AFH besucht haben, würden irgendeinen Unterschied im BNet machen und sicherlich ist das humanistische Ideal, dass Wissen und Bildung ein Allheilmittel gegen die Übel dieser (virtuellen) Welt sind ein Klischee. Aber trotzdem bilde ich mir ein, dass wenn sich nur mehr Leute mit legalen Mitteln im BNet zu helfen wüssten und Charaktere bauen könnten, die auch ohne Gosu-Equipment durch Hell kommen, diese dann eher an MH und dupe Runen vorbeikommen würden.

So nun ist die Heul-Kolumne zu Ende und zum Schluss bleibt mir nur noch mich für diesen von Selbstironie freien und mit Pathos überladenen Text zu entschuldigen. Auch wenn der Eindruck entstanden sein mag – nein, ich halte mich nicht für einen heroischen Gutmenschen und Gosu-D2-Spieler. Aber die Sache lag mir am Herzen.