Der Singleplayer oder die Rückkehr zu den alten Werten

Was dem Amerikaner sein Retro, das dem D2ler sein SP. Vorbei sind die Zeiten von höher, schneller, weiter. Der Siegeszug der Tradition hat längst begonnen und findet sein Heim, in dem, was Blizzard uns als erstes gab: Dem Singleplayer.

Ausgerechnet der Hort für Cheats und Überchars soll nun also die Rettung der Diablo 2-Welt sein? Dieser Modus, den die kleinen Kinder und Internetlosen schamlos mit ihren verskillten Charakteren quälen? Der Ort, an dem sich der Abschaum der D2-Gesellschaft tummelt, soll nun Zentrum einer neuen Leidenschaft sein?

Cheaten, dupen und Charkterwerte fälschen. Das alles verbindet der gemeine D2-Spieler mit dem Singleplayer. Er findet es aber in den großen Weiten des battle.nets. Was also treibt Tag für Tag die Horden durch Blizzards Höllentor? Die Gemeinschaft, der unermessliche Reichtum, die ebay-Trades, die Commondupes und Map Hacks? Die Playerkiller, Flames, Hammerdine und Enigmas? Kann ich all dies nicht viel schöner und heimischer in meiner kleinen Diablo-Welt haben? Nein, nicht die Dupes, nicht die Hacks, aber den Spaß. Den urigen Spaß am eigentlichen Spiel?

Im Forum gibt es eine eingeschworene SP-Gemeinde, in der jeder jeden kennt und deren oberstes Gebot die Sauberkeit des Singleplayers ist. Cheaten ist kein Kavaliersdelikit und Singleplayer bedeutet nicht Cheaten. Singleplayer bedeutet viel mehr entspanntes Zocken mit individuellen Charakteren, die auch ohne fünfstelligen angezeigten Schaden für spaßiges und befriedigendes Spielen reichen. Viel wichtiger ist da, dass ich meinen Charakter so anlege, dass er alleine bis zum Höllenfürsten vorzudringen vermag. Dass er auch in Gebieten, auf die er nicht optimiert ist, einigermaßen zurecht kommt. Egal, ob ich nun mal zwei Minuten an der ein oder anderen Hürde zu knabbern habe. Der Druck der Party lastet nicht auf dem, der alle Quests einmal erledigt und ohne sicheres TP in die freie Wildbahn auszog. Alleingestellt auf sich und seine treuen NPC-Begleiter.

Hier zählt nicht, wer als erster, sondern wer überhaupt ankommt, denn wer zuletzt lacht, lacht am besten und wenn ich mit meinem Alter Ego das Blutige Vorgebirge betrete, dann weiß ich, dass ich der sein werde, der lacht, wenn mein Lieblingsunique auf den Boden fällt. Wer braucht den Teleport von Enigma, wer die allseits bekannte Windmacht? Hier lernt man aus einfachsten Mitteln das beste herauszuholen und mit dem zufrieden zu sein, was man selber besitzt und erarbeitet hat. Einen Vernichtikus auszugleichen ist nicht leicht, aber der findige SPler findet immer einen Weg, denn wo ein Ziel ist, ist auch ein Weg.

So zieht aus ihr tapf’ren Recken und erobert eure Welt allein.