Diablo 3 Hardcore Der Harte Kern Nr. 2

Der Harte Kern – Teil 2

Die Kolumne für HC-Spieler und solche, die es werden wollen

Jeder, der schon Diablo 2 im BattleNet gespielt hat, weiß genau, dass D3 noch lange nicht den Kultstatus seines Vorgängers erreicht hat.

War es der Multiplayer-Modus, der aus D2 jenes Nonplusultra werden ließ, als das es nunmehr in die Annalen der Videospiel-Geschichte eingegangen ist, so steckt das Multiplayer-Gefühl im dritten Teil nicht nur noch in den Kinderschuhen, sondern ist quasi nichtexistent. Zu gering ist der Vorteil, sich mit mehreren Spielern im selben Game einzufinden. Den Hauptgrund dafür sehe ich zum einen in der Tatsache begründet, dass die Begleiter nur im Solo-Spiel verfügbar sind. Zum anderen aber gibt es in D3 keine Teilung mehr von MF- und Exp-Runs. In D2 LoD waren Baal-Runs das Maß aller Dinge, so man auf Erfahrungspunkte aus war. Und das am besten in möglichst großer Party und dort auch mit speziellen Konstellationen, um den Erfahrungsgewinn zu maximieren. MF-Runs jedoch waren effektiver, wenn man allein unterwegs war. Oder man hat sich zweckmäßig mit mehreren zusammengetan, nur um dann wiederum getrennt bestimme Punkte abzufarmen.

In Diablo 3 jedoch gibt es keine „Farmspots“. In HC macht es vielleicht etwas mehr Sinn, sich mit mehreren im selben Spiel zu versammeln, um die Wahrscheinlichkeit zu maximieren, einen Lag, Disconnect oder ähnliches zu überleben. Mir persönlich geht es leider so, dass ich auf meinen Begleiter nicht verzichten möchte.

BEGLEITER

Monatelang wurden meine diversen Barbs von der Verzauberin begleitet. Sie sieht nicht nur nett aus, sondern kann einen Bonus zu Rüstungswert und Angriffsgeschwindigkeit geben. Außerdem habe ich sie stets mit MF und GF vollgestopft. Vor wenigen Wochen jedoch habe ich den Schuft zwangsrekrutiert. Und seitdem ärgere ich mich, dass ich nicht schon viel früher auf ihn gekommen bin. Viele werden nun wahrscheinlich den Kopf schütteln, da dessen Crit Chance-Bonus ihn doch sowieso zur ersten Wahl werden lassen sollte. Aber ich habe ihn noch aus einem anderen Grund genommen.


Die für Inferno vernachlässigend geringen Schaden austeilende Buriza besitzt eine nicht zu verachtende Eigenschaft, nämlich die bis zu 15%ige Chance, bei einem Treffer den Gegner einzufrieren. Zusammen mit Verkrüppelnder Schuss, Skrupellosigkeit und Mehrfachschuss entpuppt sich der Schuft als wahrer Meister der Crowd Control. Auch nervig wegrennende Goblins werden oftmals durch den Schuft zumindest verlangsamt. Für mich daher die klare Nummer Eins bei der Begleiterwahl.

SOLO-SPIEL


Ein anderer Aspekt, der mich eher zum Solo-Spiel treibt, ist das bequeme Drücken der ESC-Taste, um kurz zu pausieren. Sollte das Telefon klingeln oder das Teewasser kochen oder was auch immer, so kann ich jederzeit das Spiel unterbrechen. In D2 ging das auch in Multiplayer-Games recht fix. Einfach TP und durch. In D3 muss man jedoch erstmal die Umgebung von kreuchendem Geviech säubern. Das ist alles andere als praktisch. Ja, ich bin kein Fan des D3 Multiplayer-Modus. Das Gebashe gegen den Online-Zwang kann ich jedoch nicht ganz nachvollziehen. Denn würde es D3 auch als offline-Variante geben, würde die große Mehrheit trotzdem online spielen, allein schon, um seine gesammelten Items verkaufen zu können. Und seinen Wert im E-Penis Vergleich zu steigern, lässt sich offline sehr schlecht bewerkstelligen.

KISTENGRÖSSE


Was freuten wir uns doch, dass es in D3 einen Shared Stash geben würde, der allerdings kleiner ausfiel, als ursprünglich geplant. Recht schnell jedoch platzte nicht nur die voll ausgebaute Kiste aus allen Nähten, auch erstellte Mulis wurden bis auf den letzten Platz gefüllt. Hier half nur, alle Items noch einmal durchzugehen, sich darüber zu wundern, was man zuvor alles als vermeintlich toll angesehen hatte, und gründlich auszumisten. Doch die Freude währte nicht lange, da einfach ständig zu wenig Platz vorhanden war. An solch einem Punkt angelangt gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: erneut alle Items durchschauen und Platz schaffen – oder sich einen zweiten Account anlegen… Wobei der auch bald wieder voll sein wird, garantiert. Mein bester Tipp an dieser Stelle: sich auf eine Char-Klasse konzentrieren und die somit überflüssig gewordenen Items verkaufen.

WAS POSITIVES ZUM MULTIPLAYER-MODUS?


Es kommt natürlich immer darauf an, mit wem man zusammenspielt und wen man in seine f-Liste aufnimmt. Public Games meide ich schon seit D2-Zeiten. Auch wenn man da echt gute Typen kennenlernen kann, hat man in HC meist nur einen Versuch, es richtig zu machen. Insofern bin ich dankbar für dieses Forum. Was mir leider sehr auf die Nüsse geht, ist der nichtvorhandene soziale Aspekt in D3. Da war das alte BattleNet um Längen besser. Allein der Chatbefehl „/f m“ würde das D3-System schon enorm aufwerten. Hmm, ich wollte doch was Positives am D3-Multiplayermodus finden. Ja, in HC kann einem eine Party schon mal den Allerwertesten retten. Disconnects und Spielabstürze treten ja vorzugsweise mitten im Schlachtgetümmel auf. Und fürs Höllenfeuerring-Farmen ist eine gut zusammengestellte Gruppe unerlässlich. So hörte ich zumindest, denn ich selbst war noch nie dort. Wird mal Zeit. Aber so eine Selffound-Runde in geselliger Viersamkeit hat auch seinen Reiz. Unterm Strich jedoch muss Blizzard an diesem Modus noch was drehen.

WEICHE EIER MIT HARTEM KERN?


Letzte Woche im Diskussions-Thread zur Ausgabe Nr. 1 von Der Harte Kern wurde ein interessanter Standpunkt vertreten: man sei eigentlich erst dann richtig im HC-Geschäft, wenn man selffound spiele. Bei Nutzung des Auktionshauses wäre man ein Weichei und würde „Pseudo-HC“ spielen. Starker Tobak. Jeder mag hierzu seine eigene Meinung haben, so auch ich. Zum einen darf und soll natürlich jeder so spielen, wie er das für richtig hält. Das Auktionshaus ist jedoch integraler Bestandteil von D3. Insofern sehe ich keinen Grund, mich in der Richtung zu beschneiden. Im Gegenteil! Mir macht das Kaufen und Verkaufen sogar Spaß! Das war schon in D2 so und hat die Langzeitmotivation an dem Spiel um mindestens vier Jahre erhöht. Ich spiele trotzdem gern selffound in einer mehr oder minder festen Party. Auch das kann einen Heidenspaß machen. Aber es fühlte sich in dem Augenblick nicht unbedingt mächtiger oder härter an. Eine praktische Analogie aus dem realen Leben: ich kaufe meine Lebensmittel im Supermarkt und züchte kein Gemüse im Garten und halte mir auch keine Kühe zur Selbstversorgung. Allerdings muss ich gestehen, die im Thread aufgebrachte Idee, separat Chars zu haben, bei denen man einen „Kein Auktionshaus“ Button auswählen kann und die somit komplett selffound gespielt werden müssen, würde ich definitiv unterstützen und auch nutzen.

Doch es ist nicht verwunderlich, dass sich ausgerechnet am Auktionshaus die Geister scheiden. Man könnte ja jegliche Erleichterung beim D3-Spielen als lame ansehen. Meine Maus hat ein Mausrad und fünf Tasten, was es mir einfacher macht, auch mal einhändig zu zocken. Außerdem ist meine Tastatur beleuchtet. Als Systemplatte verwende ich eine SSD. Ich spiele nicht über W-LAN und auch nicht mit 56k Modem, sondern ganz modern über DSL-Kabel. All diese Dinge machen D3 für mich in gewisser Weise leichter als für jene, die diese Annehmlichkeiten nicht verwenden. Für eben jene wäre die allgemeine Einstellung jedoch: „Selbst Schuld!“ Oder: „Ach, es geht auch ohne.“ Den Ursprung für diese AH-Nutzer-sind-Weicheier-Einstellung sehe ich in D2 verwurzelt.


Da gab es kein offizielles Traden und schon gar kein Auktionshaus. Und die soziale Verkümmerung machte natürlich auch vor D2 nicht halt, so dass dubiose Trade-Seiten und noch dubiosere Allheilmittel-Bots angepriesen wurden. Dupe-Methoden machten sich breit, so dass – leider – das gesamte Traden in Verruf geriet. Deshalb war der Aufschrei auch so groß, als Blizzard das Feature „Auktionshaus“ für Diablo 3 ankündigte. Diese Sensibilisierung des ehrlichen Teils der Community hat seine guten Seiten, aber führt recht leicht auch zu eben jener Einstellung. Fazit: jeder soll so spielen, wie er es gern möchte. Solange die von Blizzard vorgegebenen Regeln eingehalten werden und Anstand gewahrt wird, der sich durch das Miteinander in einer Community in gewisser Weise vorschreibt, sollten alle zufrieden sein, und niemand muss mit dem Finger auf andere zeigen.

DAS LETZTE ZUM SCHLUSS


Ich habe mir fest vorgenommen, immer wieder kleine Tipps in den Harten Kern einfließen zu lassen. Für den einen oder anderen mag es kalter Kaffee sein. Aber vielleicht ist es für den anderen oder einen ja von Nutzen.

Solange Patch 1.08 und somit die „Alles identifizieren“-Möglichkeit noch nicht draußen ist, lohnt es sich zu wissen, dass Items auch unidentifiziert beim Schmied zerlegt werden können. Dies gilt sogar für Legendäre und Set-Items. Man erhält die gleichen Crafting-Materialien als wenn man das Item zuvor identifiziert hätte. Dies kann sich also zeitlich lohnen, wenn man eben jene Crafting-Materialien sammeln oder sich gar nicht erst die Mühe machen möchte, die vier Sekunden abzuwarten, bis das wertlose Legendary identifiziert ist.

Don’t RIP!

DanaScully, 24.03.2013

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