Diablo 3 Hardcore Der Harte Kern Nr. 4

Der Harte Kern – Teil 4

Die Kolumne für HC-Spieler und solche, die es werden wollen



Warum gibt es eigentlich diese kleine, sektenähnliche Fraktion der Hardcore-Spieler in Diablo? Warum tut man sich so etwas überhaupt an? Wieso gibt es Leute, die Char nach Char über den Jordan schicken und trotzdem weiterhin HC spielen? Hat das etwas mit Masochismus zu tun? Oder sind die einfach nicht ganz dicht? Diese und ähnliche Fragen möchte ich heute aus der Sicht eines Betroffenen (nämlich aus meiner Sicht) versuchen zu beantworten.

FASZINATION HARDCORE. WAIT… FASZINATION??

Hardcore ist gnadenlos. Hardcore ist unbarmherzig. Hardcore ist zum Teil widerwärtig. Hardcore ist… eben Hardcore. Doch genau darin liegt auch der Reiz. Zu wissen, dass jeder Run der letzte mit diesem Char sein könnte. Dass hinter jeder Ecke der Tod lauert und nur darauf wartet, Dich umzusensen. Hinzu kommt noch die schnieke Ungewissheit, ob nicht vielleicht das W-LAN, das Modem, die kabellose Maus, der Internet-Provider oder gar das Betriebssystem kurzerhand entschlossen hat, dem Sensenmann unter die Arme zu greifen und ihm dabei zu helfen,


Deinen gerade für teures Gold neu ausgestatteten Helden fristlos in die Halle der erbärmlich Gefallenen zu entlassen. All diesen Umständen zum Trotz es dennoch anzugehen, ist genau das, was HC so anziehend macht. Wer noch nie diesen Adrenalin-Kick erlebt hat, wenn der eigene Char nur knapp dem Tod entronnen ist, kann es nur schwer nachvollziehen. Buchstäblich feuchte und zitternde Hände, rasender Puls, sogar Schweißperlen auf der Stirn. Andere vergnügen sich beim Bungee-Jumping. Echte Nerds jedoch sitzen Hardcore-zockend vorm Rechner.

Der Hardcore-Modus an sich ist eigentlich nichts weiter als eine zusätzlich beschneidende Regel. Genauso, wie man halt „nur selffound“ spielen könnte oder – in D3 sehr unpraktisch – eine Art FKK Ironman, also ohne Ausrüstung. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Jede dieser Regeln lässt das Spiel natürlich schwieriger werden. Hardcore hat jedoch den Riesenvorteil, dass es eine offizielle Regel ist und somit dazu führt, dass anderen Spielern in diesem Modus die gleichen Hürden auferlegt werden. Wenn man dann etwas erreicht hat, sei es ein bestimmtes Item zu finden oder ein bestimmtes Level zu erreichen oder was auch immer, so ist die persönliche Befriedigung ungleich größer, als wenn man dies in softcore erreicht hätte.

HC = FRUST (?)

Neben dem Tod und der damit einhergehenden Vernichtung aller vom Char getragenen Items, gibt es eine weitere Sache, die HC so abstoßend macht: dass man „ständig weglaufen muss“ und somit kein wirkliches Spiel mehr vor sich hat, sondern vielmehr einen ständigen Überlebenskampf austrägt. Da ist definitiv was dran.


In 80 Stunden Paragon Level 100 zu erreichen ist in SC schon erstaunlich genug, in HC jedoch reine Utopie. Aber die Kunst liegt in HC darin, trotz der gezwungenermaßen defensiveren Spielweise dennoch das Optimum an Offensive und Geschwindigkeit herauszuholen.


Nach einem RIP wieder aufzustehen, den Staub abzuputzen und den nächsten Char hochzuleveln. Das kann einem schon gewaltig auf die Nüsse gehen, gehört jedoch zum HC-Spielen dazu. Als Beispiel sollen meine bisher verripten 60er-Chars herhalten. Das waren übrigens allesamt Barbs. Sagte ich schon, dass ich nur Barbs zocke? Jeder dieser Chars war zu jenem Zeitpunkt natürlich so gut ausgestattet, wie es mein Geldbeutel zuließ. Ich möchte mir gar nicht erst die Mühe machen, den Wert dieser verlorenen Items zusammenzurechnen. Dieser Verlust schmerzt im allgemeinen mehr, als die Zeit, die es benötigt, den nächsten Char auf das Level des frisch dahingeschiedenen hochzubringen.

Aus meiner f-Liste sind in den vergangenen Wochen Chars mit Paragon-Level 81, 85 und – gerade letzte Woche – 90 Hopps gegangen. Das ist wenig ermutigend. Nicht für mich und schon gar nicht für den Spieler, dem dies zugestoßen ist. Zum Teil hatte auch der Disconnect-Gott seine Finger im Spiel. Doch auf diesen Herrn möchte ich erst in einer späteren Folge genauer eingehen. Wie schafft man es nun also, nach solch einem RIP trotzdem weiterzumachen? Großartige Psycho-Tricks gibt es da wohl nicht. Man muss halt eine gehörige Portion an Frusttoleranz aufweisen können. Für mich haben sich ein paar Dinge als erfolgreich herausgestellt, wenn es darum ging, diese Verluste zu verarbeiten:

– Sich selbst zu sagen, es sei doch nur ein Spiel, bringt überhaupt nichts!

– Teile Deinen Schmerz! Poste im Frust-Thread. Erzähle Deiner f-Liste darüber. Weine Dich bei Deinem Partner oder einem guten Freund aus. Am besten alles auf einmal.

– Fange sofort einen neuen Char an. Noch besser: Habe bereits einen weiteren Level 60 Char parat, mit dem Du direkt auf Inferno weiterspielen kannst.

– Selbstverständlich sollte man einen kleinen Vorrat an Level-Equipment zur Hand haben. Nichts ist öder, als zum zehnten Mal alle Quests auf Norm, Alp und Hölle langatmig durchzukauen.

– Wenn der Stachel zu tief sitzt, beschäftige Dich erst einmal mit anderen Dingen. Lege eine D3-Pause ein. Unternimm etwas Kreatives oder etwas, dass Deinen Körper richtig fordert. Damit Du nachts nicht wachliegst und Dir ständig durch den Kopf geht: „Wenn ich Taste XY nur eine Sekunde früher gedrückt hätte… Wieso bin ich nicht einfach abgehauen? Etc. etc.“

Diese Tipps mögen überzogen klingen, vielleicht sind sie das auch, denn letzten Endes ist es ja nur ein Spiel. Aber wer schon mal einen Char auf relativ hohem Level verloren hat, der kennt diesen Schmerz, der Ähnlichkeiten zu einem Beziehungsende aufweist…

DIE SCHÖNE SEITE

Um diese Folge von Der Harte Kern nicht zu dramatisch werden zu lassen, möchte ich aber auch auf das eingehen, was das HC-Spielen so belohnend macht. Als erstes müssen da natürlich die Items genannt werden. Wer erinnert sich noch an sein erstes Legendary? Ich auf jeden Fall sehr gut. Es waren unbedeutende Low-Level Handschuhe zu der Zeit, als legendäre Items alles waren, nur nicht legendär. Und sie droppten noch unspektakulär ohne „Pling“, ohne „Zwoom“ (Lichtsäule) und ohne alles verdeckende Riesensterne auf der Minimap. Ist man heutzutage jedoch erstmal auf Inferno angekommen, sollte man das Pling-Zwoom-Stern immer häufiger zu Ohren und Gesicht bekommen. Ein immer wieder schöner Moment. *hach*


Wer mich ein wenig kennt, der weiß, dass ich ein absoluter Nerd bin, wenn es um Diablo geht. Es gibt kaum etwas in D2, zu dem ich nicht irgendeine Art von Tabelle, Diagramm, Berechnung oder ähnliches gemacht habe. Dies ist in D3 nicht anders. Angefangen mit dem legendären Patch 1.05, in dem die Dropchance für Legendaries/Sets verdoppelt wurde, habe ich exakte Aufzeichnungen über jeden braunorangen und grünen Drop samt Screenshot. Lol. Facepalm. Wozu? Das wissen wohl nur die Götter. Und selbst die tun sich wohl etwas schwer damit.

Dieses Diagramm zeigt, wie sich die Legendary/Set-Drops verteilen. Wenig verwunderlich kommen etwas über die Hälfte von Elite-Monstern. Interessant hieran finde ich lediglich die geringe Ausbeute aus den Glitzertruhen. Fast fünfmal so viele Legs/Sets kamen aus normalen Truhen, Leichen und Urnen.


In einem weiteren Diagramm habe ich festgehalten, wie viele Legs/Sets mir pro Woche gedroppt sind. Relativ leicht kann man sehen, wann ungefähr meine Barbs das Zeitliche gesegnet haben.


Da mir in SC nie das Vergnügen zuteil wurde, ein Legendary gedroppt zu bekommen, habe ich keinen Vergleich. Aber ich vermute, das Pling-Zwoom-Stern ist in HC noch befriedigender. Auch wenn der Großteil Müll und bestenfalls Schwefel ist, so erfreut es einen doch jedes Mal.

Und welche Legendaries droppten am häufigsten? Zumeist diejenigen, welche man auch am ehesten verschrotten würde. Hier ist meine Top 40. Die Namen sind zwar auf englisch, dürften aber zum Großteil leicht zu erraten sein. Bemerkenswert, aber auch erwartungsgemäß, befinden sich nur 3 Set-Teile unter diesen 40 Items.


GELB ZU GOLD MACHEN


In SC spielen gefundene gelbe Items wohl nur eine recht untergeordnete Rolle – abgesehen von schicken Waffen und Ringen und wenigen Ausnahmen. In HC jedoch dienen sie nicht nur der Ausrüstung, sondern sind auch eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle. Damit meine ich nicht das Auktionshaus, sondern das Verkaufen an die Händler im Spiel. Dies wird mit Patch 1.08 noch effektiver, da man beim Identifizieren kaum noch Zeit verlieren wird.

FAZIT


Trotz relativ vieler RIPs überwiegen die schönen Momente die schmerzhaften Verluste bei weitem. Die von Blizzard angedachten Item-Verbesserungen und was uns D3 sonst noch in der Zukunft bescheren wird, lassen mich – spätestens mit der ersten Expansion – ein weiteres Erfolgskapitel in der langen Diablo-Geschichte prophezeien, gerade für den HC-Bereich. Ob Blizz sich speziell der HC-Minderheit annehmen wird, bleibt jedoch abzuwarten. Mein sehnlichster Wunsch wäre, eine Sicherheit gegen Disconnects, Game Freezes usw. einzubauen. Dazu müsste das (Solo-) Spiel einfach nur für eine gewisse Zeit automatisch pausiert werden, wenn der Server die Verbindung zum Client verliert. Kommt der Client nach Ablauf dieser Zeit nicht zurück, wird es für die üblichen zehn Sekunden fortgesetzt. So hätte man weniger Frust und noch mehr Spaß am HC-Erlebnis.

DAS LETZTE ZUM SCHLUSS


Seit Patch 1.07 können Items auch bei geöffnetem Händlerfenster identifiziert werden. Das ist deshalb praktisch, weil man somit nicht aus Versehen ein getragenes Item mit einem aus dem Inventar austauscht (und das ursprünglich getragene dann noch versehentlicher verkauft). Ich habe es mir deshalb zur Regel gemacht, vor dem Identifizieren immer erst den Händler meiner Wahl aufzusuchen.

Don’t RIP!

DanaScully, 08.04.2013

Bisherige Folgen von Der Harte Kern: