Diablo, Dupes und Ebay

Um Diablo2 zu spielen, gaben wir ungefähr 90 Mark aus. Damit erhalten wir das Spiel – und beim Charakter die Startausrüstung, z.B. ein Schwert und einen Schild. Wir gaben das Geld also auch für virtuelle Gegenstände aus. Nun gibt es Leute, die gerne weitere virtuelle Gegenstände kaufen möchten. Das ist z.B. bei ebay möglich, wie man weiss.

Der Tausch von echtem Geld zu virtuellen Gegenständen ist nichts ungewöhnliches. Kaufen wir bei einer CD die Scheibe oder die Musik? Kann man die Musik anfassen? Nein, aber hören. Kann man eine 300-er Diablo2-Lanze anfassen? Nein, aber mit ihr spielen. Der ungewöhnlich hohe Preis für gute Items ist Ergebnis des Marktes. Doch ein funktionierender Markt braucht Regeln. Und durch das Dupen gelten die üblichen Regeln nur noch bedingt.

Warum kann man überhaupt Dupen?

Im Klartext: Weil Blizzard aus Diablo1 nicht gelernt hat. Beim Battle.Net handelt es sich ja auch um eine sehr grosse Item-Datenbank. Sie schaffen es nicht, sie konsistent zu halten. Einige Leute nutzen Latenz-Zeiten aus um Gegenstände zu doppeln. Das wäre nicht möglich, wenn das Battle.Net neu durchdacht und grundlegend überarbeitet worden wäre. Die Forderung vieler ist nun, alle Dupes zu löschen. Doch leider geht das nicht. Ein Gegenstand ist zwar letztenendes nur eine Bitfolge, welche Art und Werte bestimmt. Zusätzlich gibt es eine „Seriennummer“. Gegenstände mit gleicher Seriennummer sind Dupes.

Das Problem der Dupes

Oder genauer gesagt, einer der beiden Gegenstände ist ein Dupe. Das „Original“ lässt sich nicht mehr rekonstruieren, es sei denn, Blizzard verfügt über eine lückenlose Aufzeichnung aller Battle.Net-Aktivitäten. Daher kann der Forderung vieler, „alle Dupes zu löschen“, nicht entsprochen werden. Bei jedem einzelnen Charakter ist diese Suche natürlich möglich und alle Dupes – bis auf eins – werden inzwischen gelöscht. Doch Charakter-übergreifend kann man das schlecht machen. Denn woher soll man wissen, wer nun das Original hat? Oder wer sein Dupe gegen eine stattliche Anzahl nicht gedupter Jordies eingetauscht hat? Blizzard kann höchstens alle Gegenstände, die mehrfach vorkommen, in ihrer Gesamtheit löschen. Doch das wäre ebenso unfair und würde sicher zu wütenen Protestaktionen führen.

Auktionen und Spielspass

Wer privat über grössere Mittel verfügt kann natürlich dank Auktionen seine Spielfiguren deutlich besser ausrüsten als andere. Das mag unfair klingen. Doch Teamplay im Clan ist im Gegensatz zu einem Soloplayer ebenso „unfair“. Wir können nicht unsere private Spielweise für allein selig machend erklären und den Rest als unfair abtun. Blizzard fordert uns immerhin mit seiner Item-Politik gerade dazu heraus, zu handeln. Der Stone of Jordan, überall in D2 akzeptierte Währung, ist selten genug. Ein 130-er ITD-Bow eine echte Rarität und sehr viel wert. Wenn jemand aber keine Amazone spielt, was spricht dagegen zu versuchen, den Bogen gegen echtes Geld zu verscherbeln? Mit der Expansion dürfte es dank den Runen nur noch „schlimmer“ werden. Denn der Zufallsfaktor ist sehr stark gewichtet. In den Städten kriegen wir grundsätzlich nur mittelmäßig Standard-Ausrüstung zu kaufen. Mit der Expansion können wir nichtmal mehr Set- oder Unique-Items ergamblen. Der „Ausweg“, für die Items horrende Levelanforderungen zu stellen könnte sich als Falle entpuppen. Vermutlich wird es in Zukunft mehr High-Level-Chars bei den bekannten Auktionen zu kaufen geben. Kann damit wirklich Geld verdient werden, dürften Schüler-Teams aus dem Boden spriessen, die zusammen pro Woche eine Handvoll dieser Chars hochleveln. Nur, um sie dann bei ebay anzubieten.
Schade, dass in den D2-Städten nicht regelmäßig von NPCs ausgerufene Kämpfe stattfinden. Jene könnten ein Item ausloben, anschliessend darf man sich in Listen eintragen. Nach Entrichtung der Wettkampfgebühr könnte man in einer Arena – also ohne wirklich zu sterben – den Kampf ausfechten und der Gewinner erhält z.B. einen wertvollen Jewel. Ebenso gibt es keinen Schmied, wo man gegen sehr viel Geld magische Waffen in Auftrag geben könnte. Im Battle.Net selbst gibt es keinen geregelten Markt für kick-ass-items. Man könnte z.B. im Chatroom Pinwände einrichten, wo man Items an- und verkaufen kann. Da Blizzard an so etwas nicht denkt, schaffen sich die Spieler selbst einen Markt – z.B. bei ebay.

Gib Dupern keine Chance?

Duper nutzen, und das ist vom Prinzip her nicht verwerflich, Bugs des Spiels aus. Es ist an Blizzard, das zu verunmöglichen. Die Wut auf Duper zu lenken wird die Item-Schwemme nicht aufhalten. Der Hersteller ist gefordert, eine wasserdichtes Battle.Net-Struktur zu schreiben. Ausserdem brauchen wir ernsthaften Spieler mehr Möglichkeiten, uns entweder gezielter hochwertige Ausrüstung zu kaufen oder wenigstens einen einfach zu bedienen, realmweiten „Marktplatz“.

aths, 1.6.2001