Die Leiden des jungen Pindle

VORSICHT – IRONIE!
Personen mit einem auch nur rudimentären Empfinden für den guten Geschmack (oder was Omi so zu nennen pflegte) werden ebenso wie solche ohne Sinn für einen verqueren Humor, den sie nicht verstehen, vor der Lektüre gewarnt.
Ihr lest trotzdem weiter…? Pah, selbst schuld!

~ Prolog ~
Ein NPC-Story-Contest… eine nette Idee. Da dachte ich mir – mache ich mit. Als alte Schnodderschnauze. Nur… welchen NPC sollte ich wählen? Ich geriet ins Grübeln. Anya? Hm, die schielt doch nur nach Larzuk, dem muskulösen Lederboy… und der wiederum ist in den knackigen Hintern unter Cains Kleidchen vernarrt. Qua-Khek? Ah, jemand, der von seinen Eltern einen Froschnamen bekommen hat, erschien mir auch nicht als beste Wahl. Fara? Eine prügelwütige Emanze mit einem Metal(l)-Tick, das lasse ich auch mal besser. Sonst muß ich beim nächsten Besuch in Lut Gholein vorher meine Knochen numerieren. Jamella, die Betschwester? Wie langweilig! Oder vielleicht Meschif? Wäre natürlich eine Alternative, aber eine endlose Debatte über Seereisen, mit dem Ziel, die preisgünstigste Dönerbude zu finden, ist vielleicht auch nicht abendfüllend. Außerdem – als Seemann sollte er wissen, daß man Schiff mit Doppel-F schreibt[Fußnote 1]). Gheed vielleicht? Hey, ist Glücksspiel nicht eigentlich verboten? Ich befand mich also in einer etwas ratlosen Situation.
Hm…
(der Leser stelle sich an dieser Stelle den Autor in einem dichten Nebel aus Tabakqualm und Fragezeichen vor)

(weitere Denkpause)

da war doch noch… ja!!!

(im Kopf des Autors rotiert eine bunte Scheibe und bleibt mit einem melodischen Klingelton auf „Bingo“ stehen)

Unser Bester… unser Kumpel… unser lieber, lieber… oh ja, das ist es!

~ Die Pindle – Präambel ~
Lieber Pindle, gib fein acht
Weil’s bei Dir gleich mächtig kracht
Denn ich komme zu Dir rein
Schlage Dir den Schädel ein
Breche Dir das Nasenbein
Und sacke Deine Items ein

Ist das nicht fein? So muß das sein!

Richtig erkannt, liebe Gemeinde: wir sprechen heute über Pindle, auch bekannt als Pindleskin, Knochenhaut oder der Typ in dem grauen Maureroverall. Über einen Mensch… *ähem* ehemaligen… nun ja, jedenfalls über jemanden, der bisher viel zu wenig Aufmerksamkeit erhalten durfte, obschon tagtäglich Dutzende und Aberdutzende psychotische Subjekte mit nicht unbedingt höflich zu nennenden Begrüßungsfloskeln („Ne Windforce, nu mach schon, du Depp!“) an der Pforte seines beschaulichen Tempelchens rütteln.
Wer ist denn dieser Pindle nun überhaupt?

~ Aufstieg und Niedergang einer vom Schicksal benachteiligten Persönlichkeit ~
Mit vollständigem Namen, das erst einmal vorweg, heißt unser bester Freund, XP-Geber und Tal-Rashas-Dropper Rudolph Maximilian Fürchtegott Pindleskin-Knochenhaut. Geboren wurde er im Jahre – Ichweißesnicht – als zweites Kind der eheähnlichen Gemeinschaft Pindleskin/Knochenhaut. Sein Vater, der harrogath’sche Imbißbudenbesitzer Ferdinand Pindleskin, benannte den Jungen nach dem Großvater seiner Lebensgefährtin, der arbeitslosen Stenotypistin Mareike Knochenhaut (Rudolph), sowie nach dem vor Geleb Flammfinger amtierenden Präsidenten des Hohen Rates von Travincal (Maximilian Fürchtegott). Diese Namenswahl sagt bereits genug über Pindles Familie – durch Glück im Unglück besaßen die Pindleskin/Knochenhauts wenigstens kein Kabelfernsehen, so daß dem Kind Vornamen wie Pikachu oder InuYasha erspart blieben. Ein Lichtblick in einem Leben voller Tragik, könnte man sagen. Falls man zu Zynismus neigt. Nun gut.

Bereits in jungen Jahren, im Elternhaus, hatte Rudolph mit ernsten Problemen zu kämpfen; sein pränatales Ableben (Zangengeburt, ausgeführt von Larzuks Vorgängerin Stephanie „Höllenknall“ deKapyt) ließ ihn bereits in der Kindertagesstätte von Harrogath auf Ablehnung stoßen. Rabauken wie Nihlathak bildeten das geringere Problem, es waren eher die gehässigen Streiche von Gören wie Anya und ihrer besten Freundin Fara, die dem jungen Rudolph Pindle das Leben schwer machten. Anzügliche Scherze über seine graue Gesichtsfarbe waren gang und gäbe, immer wieder wurde ihm sein Breilöffelchen (von ihm liebevoll ‚Müllschaufel‘ genannt) gemopst, und selbst die harrogath’schen Barbarensöldner rissen fortwährend rauhe Witze über den stillen, in sich gekehrten Jungen. Was Wunder, wenn man selbst ein Bild der gestaltgewordenen Lächerlichkeit abgibt und über einen IQ auf Höhe winterlicher Außentemperaturen verfügt, sucht man sich leichte Opfer. Opfer wie Rudolph, der sich nicht wehren konnte, und dessen Schicksal es sein sollte, dies auch niemals zu können – doch dazu später mehr.

Auch im Schulalter wurde es nicht besser; Pindle, immer noch von Anyas Zickereien und gelegentlichen Prügeln von Nihlathak traktiert, galt aufgrund seiner guten Noten, speziell in Dämonologie, Aurenkunde, Hauswirtschaft und Nadelarbeit als Klassenstreber und wurde dementsprechend von seinen Mitschülern geschnitten. Sein miserables Abschneiden im Sportunterricht – er bewegte sich Zeit seines (Un)Lebens gemessenen (um nicht zu sagen, schlurfenden) Schrittes – tat sein Übriges.

In der Schule gelang es Pindle denn übrigens auch, den Grundstein seiner zukünftigen Fähigkeiten zu legen; da sein Vater berufstätig war und seine Mutter mit dem Verkauf von selbstgeklöppelten Seidenwebereien auf dem Harrogather Markt wenigstens so tat, sah sich Rudolph gezwungen, regelmäßig an der Schulspeisung teilzunehmen – als Einziger. Da die Schulköchin (eine Altpunkerin namens Andariel Schlonz, die sich später eine zweifelhafte Existenz als Hausbesetzerin im Tamo-Hochland aufbauen sollte) nicht eben als Meisterin ihres Fachs bezeichnet werden konnte, gelang es Pindle schon nach kurzer Zeit, eine Immunität gegenüber Giften gleich welcher Art zu entwickeln [Fußnote 2].

Ein erster Lichtblick tat sich schließlich auf, als Cain als neuer Schüler in die Klasse kam; Deckard Cain, einziger Sohn der alleinerziehenden Sexualtherapeuthin Alicia Cain aus Tristram, hatte es durch eine der häufigen Affären seiner Mutter (diesmal handelte es sich bei ihrem Opfer um Höllenknall deKapyt – die Liaison hielt beinahe zwei Monate) in das Barbarenland verschlagen. Die beiden Außenseiter fanden schnell zueinander – ohne andere Freunde, geneckt und gehänselt von der ganzen Stadt und hoffnungslos verzweifelt hatten sie niemanden sonst. Einsamkeit schafft Bande wie von festestem Rabengarn.

Justament gerieten zu jenem Zeitpunkt sowohl Deckard als auch Rudolph in die Pubertät. In Ermangelung anderer Kontaktpersonen fanden sie auch in körperlicher Hinsicht Gefallen aneinander. Auf ausschweifende und vor allem deprimierende Details sei hier aus ästhetischen Gründen verzichtet – es genügt anzumerken, daß Cains Vorliebe für das Tragen eines grauen Kleidchens, welche er sich auch nach dem Zerbrechen der Jugendfreundschaft mit Rudolph Pindle bewahrte und bis heute pflegt, auf diese Zeit der ersten zaghaften Experimente mit der eigenen Sexualität zurückzuführen ist.

Mit der Zeit gelang es Cain jedoch, sich in der Klasse zu etablieren – sein krankhafter Geltungsdrang in Zusammenhang mit seinen Klassenkameraden unbekanntem Wissen (wenn seine Mutter, was häufiger vorkam, wieder einmal auf Würgegas-Elixier war, pflegte sie ausführlich Geschichten aus ihrem Berufsleben zu deklamieren) ermöglichten es ihm, besonders in Anya und Larzuk eine faszinierte Zuhörerschaft zu finden.

Nachdem sich so herausgestellt hatte, daß Männlein und Weiblein unterschiedlich beschaffen sind, ließ Cain den völlig verstörten Rudolph Pindle zugunsten von Anya, der Zicke, sitzen – und legte so den Grundstein für seinen, Pindles, Niedergang.

Pindle wußte nicht mehr aus noch ein; sein bester Freund ging mit dem Mädchen, das ihn Zeit seines Lebens gequält hatte, Fara stand bereits Schlange, und ein eifersüchtiger Nihlathak (der es als frühreifes Kind mit einem ausgeprägten Besitzerkomplex schon lange auf Anya abgesehen hatte) benutzte den körperlich unterlegenen Rudolph Pindle verstärkt zum Abreagieren seiner kleinlichen Aggressionen. Der Begriff Sandsack war zwar damals in Harrogath unbekannt (woran sich nebenbei bemerkt bis heute nichts geändert hat; man sagt: Barbarensöldner dazu) – aber es ist wohl jedem Leser klar, worauf es hinauslief.

So kam es, daß Pindle zusehends auf die schiefe Bahn geriet. Zuallererst – orientierungslos und desillusioniert wie er war – suchte er nach Trost und Zuneigung. Da seine Eltern wie gesagt wenig Zeit für ihn erübrigen konnten (seinen Vater nahmen halbgare Bratwürste und verdünnter Senf, seine Mutter die Häkeldeckchen und ein tätowierter Barbarensöldner namens Pinne zu sehr in Anspruch) suchte er sich einen neuen Freundeskreis. Und fand ihn, zu seinem Verhängnis, in der berüchtigten Sekte der Zeugen Diablos, namentlich der militanten Harrogather Splittergruppe unter Leitung des ehemaligen Reizwäschevertreters und jetzigen Versicherungsmaklers Mephisto „Meppel“ Weizenkeim.

Von nun an bestimmten Würgegas-Elixier-Exzesse, inzestuöse Orgien mit vorbestraften Succubi und illegale Glücksspiele Pindles Leben. Sein Taschengeld sowie die wenigen Goldstücke, welche er sich mit Rasenmähen im Blutigen Vorgebirge verdiente, verjubelte er in Gheeds Casino, die schulischen Leistungen ließen drastisch nach. Seine gesunde graue Gesichtsfarbe verschwamm zu einem ekelhaften Rosarot, was seine Akzeptanz unter den Mitschülern noch weiter sinken ließ. Die Spirale des Untergangs hatte begonnen, der Teufelskreis schloß sich.

Nach und nach versank Pindle immer weiter im pseudoreligiösen Sumpf der Zeugen Diablos. Meppel Weizenkeim kannte keine Gnade, kein Mitleid mit der jugendlichen Unschuld seines Opfers, sondern lockte es durch angebliche „Mannbarkeitsrituale“ (Diebstahl von Hämmern und ‚Gidbinns‘, PK und Niesen, ohne sich die Hand vors Gesicht zu halten) immer tiefer in abgründige Regionen des Verbrechens.

Wo waren sie jetzt, die, nun, wenn schon nicht Freunde, so doch Bekannten von damals? Cain hatte inzwischen mit Larzuk angebändelt, während Anya, zu Nihlathaks großer Enttäuschung, ein Techtelmechtel mit Fara begonnen hatte. Auch der Schulpsychologe Ormus Freud war keine große Hilfe; versunken in einem Abgrund des Selbstmitleids, daß er nie so gute Ringe wie ein gewisser Sauron würde produzieren können, befand er sich fast stets in einem Öl-Elixier-Rausch.

Schließlich kam es zum ersten Eklat – Pindle wurde vom Harrogather Polizeihauptwachtmeister Tyrael (Hauptschulabschluß, Epileptiker, aber sonst gesund) in flagranti beim Dupen von SoJs im Auftrag der Sekte ertappt. Was folgte, war, um es einmal beim Namen zu nennen, der Ausbund der Peinlichkeit; endlose Gespräche mit dem völlig weggetretenen Ormus Freud, Diskussionen mit Rudolphs Eltern, wobei Hauptwachtmeister Tyrael mehr als einmal nur durch einen kühnen Sprung einem Gesprächsbeitrag des zwar hirnlosen, dafür aber testosterongepowerten Pinne entging, fruchtloses Hickhack mit dem Harrogather Jugendamt. Was eigentlich auch niemanden verwunderte, da letzteres aufgrund nicht nachvollziehbarer Umstände aus einem reichlich beschränkten Lvl-1-Paladin und einem defekten Telefon bestand.
Das soziale System hatte versagt.

Das Ende vom Liede: es kam, wie es kommen mußte. Pindle wurde vom hohen Rat in Travincal zu sechs Monaten Jugendstrafe im Kerker des Hasses verurteilt. Nun kam ihm auch sein Idol, der Sektenführer Meppel Weizenkeim, nicht mehr zu Hilfe; was Wunder, war er doch selbst kurz nach Pindles eigener Festnahme wegen Schmuggels von EL-Runen aus dem Hell- in den Norm-Modus verhaftet und ebenfalls eingesteckt worden.
Pindles Leben schien vor dem Aus zu stehen.

Während seiner Haft gelang es dem nunmehr Siebzehnjährigen jedoch zeitweilig, wieder zu sich zu finden. Dabei halfen ihm vermutlich besonders die Gespräche mit einem Mithäftling und Zellengenossen, Rotz – Beule dem Schlächter, der wegen schwerer Körperverletzung einsaß. Auch Rotz – Beule war, wie Pindle, ein Opfer der Umstände; er hatte die Reaktionen der Umwelt auf seinen Namen schließlich nicht mehr ertragen und war schlicht und ergreifend ausgerastet. Durch eine Anzeige der Alleinerbin des getöteten LVL98-HC-Mode-Necro (einer neurotischen Amazone namens [0815Clan]SuPeRgIrL, war auch er, ohne eigentliches Dafürkönnen, festgenommen und eingesperrt worden. Rotz – Beule war es denn auch, der Pindle in die Kunst des Droppens einwies; ein richtiger Gegenstand, bevorzugt in beruhigendem Grün oder freundlichem Gold gehalten, konnte, sofern rechtzeitig vorgezeigt, physische Auseinandersetzungen bereits im Vorfeld unnötig machen. Die beiden Häftlinge verbrachten in der Gefängniswerkstatt lange Stunden mit fleißiger Heimwerkerarbeit; mit Hilfe von ‚Charsis Bastlerfibel‘ wurden Raubschädel geschnitzt, Isenharts Kisten gezimmert und Sanders Dummheit zurechtfabuliert. Gutgekühlter Schrillfrost wurde angerührt, Himmlische Heiligenscheine poliert und Mavinas Kriegsgesang geträllert. Man hämmerte Nagelringe und suchte den Himmel durch die vergitterten Fenster nach Zwergensternen ab. Das Meisterstück entstand jedoch aus einer spaßhaften Laune der beiden ungleichen Gefährten: nachdem Rotz – Beule einen (zugegebenermaßen nicht sonderlich originellen) Witz gerissen hatte [Fußnote 3], häkelte ihm Rudolph kurzerhand eine Narrenkappe – welche überraschenderweise die Eigenschaft aufwies, daß jeder, der sie sah, sie um jeden Preis in seinen Besitz bringen wollte.

Zwischenzeitlich erhielten die beiden Gefängnisinsassen immer wieder geistlichen Beistand – und wie das Unheil so seine Bahnen zieht, wurde hier der Bock zum Gärtner gemacht.

Pindles alter Schulkamerad Nihlathak, zurückgewiesen von Anya und abgestoßen von gewissen sexuellen Experimenten mit Larzuk und Cain, hatte sich ein neues Ventil seines destruktiven Charakters geschaffen: die Religion. Er predigte den beiden empfängnisbereiten, weil von der Außenwelt isolierten Häftlingen von den mächtigen Urahnen, dem großen Baal und dem wünschens-, erstrebens-, habenhabenhabenswerten +45-auf-alle-Skills-Charm. Die Verführungen des infernalischen Predigers trafen auf offene Ohren, hatten doch Pindles und Rotz – Beules Erfahrungen mit der Harle und dem konfliktvermeidenden Droppen einen fruchtbaren Boden für diese Art von Propaganda bereitet.

Und wieder einmal war es Pindle, der durch Rotz – Beules freundliche Unterweisung beinahe in der Lage gewesen wäre, das normale Leben eines respektablen Untoten zu führen, nicht vergönnt, den Verlockungen der dunklen Seite zu entgehen. Zum zweiten Mal ergab er sich völlig den Hirngespinsten einer fiktiven Religion, was, man muß es wohl kaum erwähnen, den abscheulichen Nihlathak reichlich Grund zu hämischer Schadenfreude gab. Ebenjener hatte sogar noch einen weiteren Köder für sein ahnungsloses Opfer: Hafterleichterung und -verkürzung, sowie nach Entlassung aus dem Kerker des Hasses einen gesicherten Job, namentlich als Portier. Ein Angebot, welches Rudolph Pindle als Lichtschein am Ende des Tunnels erschien – nur wußte er nicht, daß das Licht von einem entgegenkommenden Ghulfürsten-Champion (oder auch: Brenn – Fetzer das Berserkerzippo) stammte. Als Vorbestrafter in Harrogath hatte man kein leichtes Leben; vor allem, da die ortsansässigen Barbaren das Wort ‚vorbestraft‘ nicht buchstabieren konnten; es enthielt mindestens zwei Silben zuviel.

„Ich benötige einen Türsteher für den Eingang meines Tempels“, umgarnte der heimtückische Nihlathak den ahnungslosen Pindle. „Tarifliche Entlohnung, geregelte Arbeitszeiten und einmal im Monat gibt es eine Lage Würge auf Kosten der Firma. Eine verantwortungsvolle Tätigkeit mit freundlichen Mitarbeitern und Kontakt zu vielen netten Men… Leuten.“

Was konnte es für einen Sträfling im Kerker des Hasses Schöneres geben? Natürlich nahm Rudolph Pindle das Angebot an. Der Ahnungslose! Hätte er geahnt, daß er als Türsteher von Harrogaths schlimmster Lasterhöhle enden würde, er hätte sich sicher auf Rotz – Beules Lektionen und seine schlimmen Erfahrungen mit dem nichtswürdigen Meppel Weizenkeim besonnen und das allzu verlockende Angebot ausgeschlagen. Doch nein. Nihlathak nutzte die Gunst der Stunde, um eine alte Gefälligkeit beim Justizbeauftragten Hadriel (Laberflash, gehbehindert, aber sonst gesund) einzufordern, um sein bemitleidenswertes Opfer sobald als möglich und unwiderruflich in seinen Fängen zu halten.

Und so kam es, wie es ist, der Knebelvertrag wurde unterzeichnet. Pindle ist natürlich tatsächlich der Maitre d� cerc�r von Nihlathaks Tempel; doch um welchen Preis! Umgeben von einer Mitarbeiterschaft entweihter Krieger – tumbe Schlägertypen, für die nicht einmal Aufseher Shenk, der harrogath’sche ABM-Beauftragte, Verwendung hatte – und gesegnet mit dem Gehalt eines Griswold zu Azubizeiten obliegt ihm die lästige Pflicht, Besucher im Tempel zu begrüßen („Eeeey, jetz droppe mal nen Grandfather, du Arschgeige!“). Seine in der Schule erworbene Giftimmunität hilft ihm nur selten weiter, ebensowenig seine Kenntnisse verschiedener ebenso seltener wie nutzloser Auren.

Das kriminelle Milieu hält ihn fest in seinen Fängen – inzwischen hat Nihlathak, der Schändliche, bei Justizoberrat Torc Eisfaust gefälschte Beweise deponiert, welche Pindle für die Entführung und mehrfache Verge… äh… wohltätigung von Anya [Fußnote 4]verantwortlich machen, die Würgegas-Sucht hält ihn fest in seinen Fängen und selbst seine Mutter hat sich von ihm losgesagt.

Was wir vor uns sehen sind die Trümmer einer Existenz, aus der so viel hätte werden können. Ein begnadeter Schöpfer von Jadefiguren? Ein Züchter edler goldener Vögel? Ein Horadrimstab-Schnitzer? Jemand, der Ormus Freud die Bedeutung der Personalpronomen hätte erklären können?
Wir wissen es nicht.
Und werden es wohl nie erfahren.

~ Epilog ~
Und jetzt frage ich Dich, lieber Leser; war DAS wirklich notwendig?
Deshalb: wenn Ihr das nächste Mal zu Pindle geht – seid nett zu ihm. Trinkt ein Bier auf sein Wohl, singt ihm ein fröhliches Lied („Tausend Pindle sind ein Level…“ (gesungen nach der Melodie „Tausend Sterne sind ein Dom“)) oder, um es mit den Worten des miesen Luders zu tun, welches das anfangs erwähnte Gedicht verbrochen hat, gebt Pindle ein Eis aus. Eine lecker Frostsphäre. Mit Schokoladengeschmack. Wer weiß, vielleicht hat unser Rudi sein Zusammensein mit Rotz – Beule trotz seines besch… eidenen Arbeitsverhältnisses noch nicht vergessen… und legt Euch eine Harle hin, damit Ihr nett zu ihm seid? Einen Versuch ist es allemal wert.
Denkt daran: Auch Ihr könntet in dieser auswegslosen Situation sein.
Vergeßt es nicht.
Beweist doch einfach ein wenig Menschlichkeit, um diese Welt zu einem besseren Ort zu machen..

PS: Heute schon gepindelt?

Anmerkung des Autors: Erfahrungsgemäß wirken sich Akustikgitarrenmusik (live natürlich!), Weißwein und das Tragen von nicht mehr modernen Kopfbedeckungen positiv auf Pindles Dropverhalten aus. Und Geduld selbstverständlich. Viel davon. Aber die sollte man auch aufbringen, wenn man es mit einer derart vom Schicksal benachteiligten Persönlichkeit zu tun hat.

~ Anhang – Fußnoten ~

[Fußnote 1] – Und dazu dieses unsägliche Sprachgemisch; entweder Ichschiff oder Meship. Außerdem gehört anstelle des Personal- ein Possessivpronomen an den Wortanfang. Also: Meinschiff bzw. Myship. Da rollen sich einem ja die Fußnägel auf [Fußnote zur Fußnote1]
Das ist wie mit Worten wie Droppen, Leveln oder Skillen, nicht wahr?

[Fußnote 2] – Kein Wunder bei dreimal in der Woche Goblin-Zeh mit Karotten und halbgaren Pellkartoffeln.

[Fußnote 3] – Schon gut, ich erzähl ihn ja; Wieviele Babas braucht man, um Lam-Esses Foliant zu finden? Antwort: gar keinen. Babas können nicht lesen. Schon gut, das war ein Kalter.

[Fußnote 4] – Dieselbe beklagte sich gegenüber ihrem aktuellen Gespielen Eldritch, dem Sittenstrafrichter [noch so eine Fußnote zur Fußnote]
Wenn man oft genug von demselben Armleuchter verknackt wird, entwickelt man irgendwann tatsächlich eine Art von persönlichem Verhältnis [Hirnstichige Fußnote der Funßnote]
Na schön, vielleicht nicht diese Art [absolut idiotische Fußnote]
Ich weiß, daß das verwirrend ist, aber jetzt ist auch Schluss [wirklich letzte Fußnote]
Ehrlich – Finger gekreuzt und dreimal auf Holz geklopft