Hammadine und ihre Gewohnheiten

Eiszapfen bildeten sich aus meinen Haaren, als ich die Gelben Seiten
aufschlug.
Heute Morgen war meine Heizung ausgefallen und jetzt wehte eine kalte Böe frischer Januarsluft meine Dokumente und Arbeitsutensilien durcheinander. Doch dann fand ich sie, die Seite der Klempner und Handwerker. Sofort fiel mir eine leuchtend bunte Anzeige ins Auge, zu lesen war folgendes:
„Ziehe sie durch die Hölle für Hf mit MH! Hammadin und Co“
Meine Wohnung war zwar keine Hölle, sondern eher eine Höhle in Tibet, trotzdem rief ich an und wollte mir einen Termin sichern.
Als jemand abhob, erzählte ich diesem von meinem Leiden und dann wurde ich gefragt: „Game?“ Game ??? Was soll das den sein? Wahrscheinlich war das ein Ausländer und er meinte damit meinen Wohnort. Also gab ich ihm meine Adresse und legte auf.

Weil ich beim Telefonieren versucht hatte meinen Computer mit meiner Körperwärme aufzutauen, vergaß ich den Handwerker zu fragen was wohl „MH“ und „Hf“ bedeuten soll. Doch ich machte mir beim Hochfahren des Computers so meine Gedanken. Schlussendlich kam ich zu der Überzeugung, dass „MH“ wohl ein neues hochtechnisches Gerät sein muss und „Hf“ für „Heißes Fressen“ o.ä. stand. In diesem Winter war warmes Essen auch sehr schwierig aufzutreiben.

Das Klopfen an meiner Zimmertür, riss mich aus meinen Überlegungen und ich machte auf. Vor mir stand ein braungesichtiger gut gebauter Mann, der beim lächeln seine blendend weißen Zähne offenbarte. Auf dem Kopf hatte er eine Art grüne Mütze mit Ohrenschützern und um den Hals eine schwere goldene Kette. Außerdem hatte er noch zwei ziemlich dicke Klunker an jeweils einer Hand. Eine Bohrmaschine, die er am Kabel festhielt und einen Werkzeugkoffer, der eigenartig weißlich schimmerte.
„Och nee, nicht schon wieder so’n komischer Schwarzarbeiter“, murmelte ich vor mich hin.
Bevor ich ihn hineinließ, fragte ich ihn, wie er sich solche Klunker leisten könne. Er konnte mich nicht verstehen und so musste ich den Satz auf Englisch wiederholen. Er nickte nur, wobei seine Mütze hin- und herschaukelte und sagte in einem komischen Slang: „Ebay, Itemshop!“. Aha, schwarzarbeiten und dann noch Klunker bei unseriösen Anbietern einkaufen.

Dieser Typ war nicht mein Fall, doch es half nichts, ich wollte schließlich nicht hier in meiner Eishöhle al� StarWars V rumhocken.
Als ich ihn aufforderte, mir in den Keller zu folgen, von wo von aus meine Heizung gespeist wurde, sagte er nur „Party Plzzz“, worauf ich ihn unverständlich anglotzte. Er wiederholte das ganze mindestens zehnmal, bis ich ihm erklären konnte, dass wir jetzt keine Party feiern können, sondern, dass er hier zum Reparieren da ist. Als er dann auch noch meinte: „Tele SORC !“, platze mir der Kragen! Ich meine, er kann doch nicht mitten in der Arbeit mit seiner Freundin telefonieren. Wo kämen wir den da hin! Ich nahm ihn an der Hand und führte in zur Tür des Hauses. Doch um diesen armen Irren, noch ein bisschen zu etwas Gutes zu tun, gab ich ihm ein belegtes Brötchen und eine Tasse warmen Kaffee mit.
Er bedankte sich mit den Worten „te-ha-ix!“. Dass dieser Mann anscheinend wenigstens ein bisschen Manieren hatte, besänftige mich ein wenig.

Doch was bei mir dann alle Stricke reißen lies, war seine angeschlossene Bemerkung: „Got freeee?“. Ich schmiss ihn regelrecht zur Türe hinaus und verschloss diese dann dreimal.
Wütend stapfte ich zu meiner Wohnung.

Am nächsten Tag erfuhr ich dann aus meiner hart gefrorenen Zeitung was mit „Hammadin und Co“ passierte: Die Polizei hatte eine Razzia vollendet und sämtliche Schwarzarbeiter dingfest gemacht.
Auf der nächsten Seite fand ich dann auch endlich eine Stellenanzeige, die einem unter der Überschrift „Nehmen sie einen Bot! Schnell, sicher und garantierter Erfolg!“ einen guten Klempner Service versprach.

Und so griff ich zum Hörer…