Langzeitmotivation in Gefahr?

Es ist ein altbekanntes Phänomen: Pünktlich zu jedem Ladder-Reset beginnen tausende Spieler erneut, erstellen sich einen neuen Charakter und gehen von neuem auf die Hatz nach den besten Items und stecken die ein oder andere Stunde in ihren Charakter. Doch irgendwann beginnt die Spielerzahl zu sinken, bis sie ein paar Monate später schon wieder am Tiefpunkt angelangt ist. Selbst ein derart suchterzeugendes Spiel wie Diablo 2 hat es kaum geschafft, Spieler wirklich durchgehend zu binden. Die meisten legen immer wieder Pausen ein, bis der nächste Patch oder wenigstens der nächste Reset kam und jedes mal scheint die Lust schneller zu verfliegen.

Was soll Diablo 3 besser machen und wie groß ist die Chance, dass die Langzeitmotivation erhalten bleibt oder sogar weiter verbessert wird? Ich sehe hier einige Chancen für Diablo 3, aber auch einige Punkte, die sich negativ auswirken könnten.

Die Charakterentwicklung

Es gibt bisher 5 Charakterklassen in Diablo 3. Das maximale Level beträgt 60 und soll gegen Ende des Schwierigkeitsgrades Hölle erreicht sein. Auch wenn man bisher nicht genau weiß, wie viel Spielzeit bis dahin vergeht, so kann man doch davon ausgehen, dass es nicht revolutionär lange dauern wird. Es sollte also durchaus möglich sein, einen Charakter in einem Monat als Durchschnittsspieler auf das maximale Level zu bringen. Und hier könnte ein Problem liegen: Da sich zwei Charaktere der gleichen Charakterklasse auf dem maximalen Level von den Grundwerten her exakt gleichen, gibt es keinen Grund, mehr als einen Charakter einer Klasse hochzuspielen – es sei denn, man spielt gerne die niedrigeren Schwierigkeitsgrade oder legt Wert auf ästhetische Dinge wie das Geschlecht des Charakters. Da die Statuspunkte und Fertigkeiten nun automatisch vergeben werden, wird man also kaum mehr als 5 Charaktere haben, Mules einmal ausgenommen.

Items

Die Individualisierung des eigenen Charakters läuft nun ausschließlich über Items. Wenn man also gerne einen anderen Charakter-Build spielen möchte, reicht es, sich die passende Ausrüstung zu besorgen. Diablo 3 hat ein im Vergleich zu Diablo 2 verbessertes Item-System spendiert bekommen. Durch die deutlich verbesserten Craft-Möglichkeiten und die Aufwertung von Rare-Items dürfte es deutlich schwieriger werden, ein optimales Equipment zu erhalten. Blizzard sollte hier jedoch aufpassen, dass man ausreichend gute Items findet, denn nichts ist frustrierender als Stundenlang umsonst zu spielen – denn jetzt wird man ja nicht einmal mehr mit Erfahrung für die erfolglose Itemsuche belohnt.

Hier kommt auch noch das Echtgeld-Auktionshaus ins Spiel. Wer bereit ist, dort zu agieren, dürfte seiner Langzeitmotivation im Endeffekt eher schaden. Denn warum sollte man tausende Stunden nach einem besseren Item suchen und irgendwann eventuell frustriert aufgeben, wenn man auch den einfachen Weg gehen kann und es für ein paar Euro im Auktionshaus kaufen kann? Doch welche Ziele soll man sich noch setzen, wenn man sich fast alles leisten kann und die Items auch noch ständig verfügbar sind?

Durch die Integration einer externen Währung könnte die Langzeitmotivation leiden, denn wer bereit ist, Geld zu investieren, kann sich Charaktere fast wie mit einem Singleplayer-Editor erstellen und sehr nah an die optimale Ausrüstung herankommen – solche Charaktere machen allerdings erfahrungsgemäß selten wirklich lange Spaß.

Der Inferno-Modus

Endlich soll das Endgame variabler werden. Im Infernomodus werden alle Gegner das gleiche Level haben, so dass alle Gebiete gleich lohnend sind. Nun kann man statt stupiden Baal- oder CS-Runs in jedem Gebiet spielen und gleichzeitig davon profitieren. Wie schwer dieser Modus im Endeffekt wirklich wird, ist nicht absehbar. Ob er wirklich die versprochene Herausforderung darstellt oder wie Über-Diablo und Über-Tristram für erfahrene Spieler eher leicht ausfällt, bleibt abzuwarten.
Es steht jedoch schon so gut wie fest, dass der überwiegende Teil der Spieler seine Spielzeit genau in diesem Modus verbringen wird und die Zeit bis dahin genutzt wird, um seinen Charakter Inferno-tauglich zu machen. Das bedeutet gleichzeitig aber auch, dass die niedrigeren Schwierigkeitsgrade irgendwann aussterben dürften, wenn nicht mehr viele neue Spieler nachkommen und die Gelegenheitsspieler schon wieder zum nächsten Spiel weitergezogen sind. Dann dürfte sich Diablo 3 nahezu ausschließlich in diesem höchsten Schwierigkeitsgrad abspielen.

Der Hardcore Modus

Einmal tot, immer tot – Was in Diablo 2 nur ein kleiner, harter Kern wirklich dauerhaft spielte, könnte in Diablo 3 deutlich beliebter werden. Zum einen gibt es kein Echtgeld-Auktionshaus, allein dies könnte für einen Teil der Spieler schon Grund genug sein, im Hardcore-Modus zu spielen. Andererseits entfallen viele der oben aufgeführten Punkte, die der Langzeitmotivation entgegenwirken könnten. Denn im Hardcore-Modus stirbt nicht nur den Charakter, auch die Ausrüstung ist für immer verloren. Somit gibt es also wieder genug Gründe, einen neuen Charakter zu beginnen und von neuem auf die Hatz nach Items zu gehen. Durch das fehlende Echtgeld-Auktionshaus fällt die Möglichkeit weg, sich die besten Items immer einfach zu kaufen, statt sie zu erspielen. Da Gold im Gegensatz zu Geld nicht von außen in das Spiel hineingebracht werden kann, wird man so wirklich spielen müssen, um in Hardcore zu Reichtum zu kommen – mal eben Paypal bemühen ist in diesem Modus nicht drin.

PvP

Der PvP Modus wurde durch das Arena-System stark ausgebaut, nun ist es möglich, direkt über das Matchmaking-System Mit- und Gegenspieler zu finden um sich in speziell darauf ausgerichteten Gebieten zu bekämpfen, ohne selbst Zeit in die Gegnersuche investieren zu müssen. Dies dürfte zwischen dem normalen PvE Spiel für ordentlich Abwechslung sorgen. Problematisch könnte jedoch sein, dass der PvP-Modus nur für kleinere Spaß-Duelle ausgelegt ist und kein echtes Balancing erfahren soll. Dies könnte dazu führen, dass die eigene Charakterklasse im PvP so weit unterlegen ist, dass der Modus für manche Spieler zu frustrierend wird, da man mit seinem Lieblingscharakter ohnehin keine Chance hat.

Lösung in Sicht?

Wie könnte die Langzeitmotivation in Diablo 3 nun erhalten werden? Dazu gibt es mit Sicherheit diverse Ansätze: Zum einen könnte man ähnlich wie in World of Warcraft regelmäßig Expansions veröffentlichen. Über die Story des Spiels ist zur Zeit noch kaum etwas bekannt, es wäre also durchaus möglich, dass man das Spiel immer weiter verlängert und so die Spieler bei der Stange hält. Es wäre durchaus möglich, dassman Diablo nicht direkt in der ersten Grundversion endgültig und für alle Zeit tötet, sondern ihn mal wieder in die Hölle zurück schickt – bisher hat er es auch immer wieder geschafft, zurückzukehren und erneut Angst und Schrecken zu verbreiten, wieso sollte dies in Diablo 3 also anders sein? Es spricht einiges dafür, so wird Sanktuario, die Welt in der Diablo sich abspielt, deutlich ausgebaut – auch um Gebiete, die man im Spiel nicht direkt besuchen wird, vielleicht hält man sich also für die Zukunft mögliche Schauplätze frei.

Eine andere Möglichkeit wäre, das Spiel durch umfangreiche Content-Patches zu erweitern und den Spielern so neue Gebiete, Items und Quests zur Verfügung zu stellen, die jedoch deutlich kleiner ausfallen, als echte Expansions. Hierdurch könnte man das Spiel mehr oder weniger häufig um kleinere Gebiete erweitern, die den Spieler zusätzlich fordern und ihm kleine Boni gewähren um ihn so zum Spielen zu motivieren.

Des weiteren wäre es möglich, den Inferno-Modus so schwer zu gestalten, dass man wirklich lange und intensiv spielen muss, um diesen zu meistern. Hierdurch könnte man Spieler sehr lange binden, man könnte jedoch auch Spieler mit weniger Zeit und Motivation verprellen, da diese nicht die Ausdauer besitzen, immer wieder zu spielen, wenn kein wirklicher Fortschritt erkennbar ist. Die Jagd nach den besonders fordernden Achievements könnte hier auch noch einmal zusätzliche Anreize bieten – wer würde nicht gerne mit einem Achievement prahlen, das besagt, dass man Diablo im Inferno-Modus ohne Ausrüstung besiegt hat?

Zuguterletzt gibt es noch eine weitere Möglichkeit, die nicht direkt an Diablo 3 hängt: Man veröffentlicht ein mögliches Diablo 4 oder Diablo-MMO ausnahmsweise, bevor mindestens 10 Jahre vergangen sind und schickt die Spieler so früher in neue Abenteuer, statt die alten immer weiter mit Leben zu füllen. Das wäre für Blizzard jedoch eine echte Revolution, hat doch seit über 10 Jahren kein Spiel mehr einen Nachfolger erhalten, das nicht mindestens 10 Jahre auf dem Buckel hatte.

Eine Möglichkeit kann jedoch definitiv ausgeschlossen werden: Ladder-Resets. Der offensichtlichste Grund dafür ist, dass es garkeine Ladder gibt, was soll man da zurücksetzen und wie soll man die beiden Modi sonst trennen? Eine Einschränkung der im Nonladder-Modus verfügbaren Items wird es mit Sicherheit nicht geben, denn dank des Echtgeld-Auktionshauses können Spieler viel Geld in ihre Charaktere investieren. Soll man diese Investitionen zunichte machen, indem man die Charaktere in einen beschränkten bzw. minderwertigen Spielmodus versetzt? Die zahlenden Spieler wären mit Sicherheit alles andere als Dankbar, daher hat Blizzard diesen Weg bereits ausgeschlossen.

Bei allen möglichen Gefahren bleibt jedoch zu bedenken, dass es bisher jeder Blizzard-Titel geschafft hat, die Spieler über viele Jahre hinweg zu begeistern. Warum sollte es also bei Diablo 3 anders sein? Wenn Blizzard etwas ganz besonders gut kann, dann ist es Spieler auf Dauer zu binden und sie wirklich lange mit guten Spielerlebnissen zu unterhalten. Auch wenn es einige Punkte gibt, die wir derzeit noch nicht durchschauen können, sollte man vielleicht einfach auf Blizzard vertrauen, wirklich enttäuscht haben sie ihre Fans bisher noch nie.