Player versus Blizzard – Der neue Spielmodus ist da…

Kern des Diablo-Prinzips war schon immer der Kampf gegen Monster. Aber weil Spieler sich nunmal auch direkt mit anderen messen wollen, bildeten sich in Diablo 2 um eine simpelste Duellfunktion herum ganze Ligen und eine aktive Szene. Im Nachfolger sollte PvP zu einer Priorität werden: ein Arena-Modus wurde eingeführt und war schon ein halbes Jahr vor dem Release spielbar.

Dass dieser Modus nicht mit dem Launch verfügbar war, haben viele Spieler verkraftet. Dass er kostenlos per Patch nachgereicht werden sollte, war in einer Zeit allgemein nachlassenden Interesses sogar eine positive Nachricht. Aber nun ließ Blizzard den Hammer fallen: das gesamte Konzept biete nicht genug Langzeitmotivation. Also wird es einfach gestrichen.

Jetzt spielen viele Spieler lieber wieder PvB: Player versus Blizzard. Die offiziellen Foren laufen vor Beschwerdethreads über und selbst die Blueposts und offiziellen Interviews verbreiten mittlerweile eher die Parole „wir wissen, dass Diablo 3 nicht ideal ist, und wir arbeiten dran“. Das Vertrauen in diese Aussage jedoch dürfte doch die schlechten Nachrichten in punkto PvP gewaltig gelitten haben.

Warum man die Spieler nicht einfach selbst entscheiden lässt, ob dieser Modus ihre Zeit wert ist, ist nicht überliefert. Fragwürdig ist die Logik aber schon: wenn Team-PvP niemanden langfristig fesselt, warum baut man dann Duelle ein, die doch per Definition noch langweiliger sein müssten? Und was sollen wir uns unter der nebulösen Formulierung „wir erforschen weiter alle Möglichkeiten“ vorstellen?

„Und hier lassen wir unsere guten Ideen bis zur Vollendung reifen…“

Blizzard knüpft damit nahtlos an eine große Diablo 3 – Tradition an: vollmundig die nächste Revolution ankündigen, um dann zum Schluss eben doch nur das Machbare umzusetzen. Erinnert sich noch jemand daran, dass Diablo 3 für Konsolen kommen sollte? Oder dass das ganze Skillsystem erst wenige Monate vor dem Launch feststand? Die Mystikerin schließlich flog offenbar derart kurzfristig aus dem Spiel, dass ihre Quest immer noch in Akt 1 ist, aber zu nichts führt.

Die offizielle Seite ist verschwunden, aber wir haben Beweise.

Blizzard Entertainment galt immer als eine der besten Spielefirmen, wenn es darum ging, Interesse an ihren Produkten zu erzeugen. Bei Diablo 3 hingegen scheint die ansonsten so gut geölte Hypemaschine ins Stottern gekommen zu sein. Nicht ohne Grund klingen Sprüche wie „we took Diablo 2 and doubled it“ in den Ohren vieler Spieler mittlerweile wie purer Hohn.

Diablo hat jetzt vier Arme, also war das rein technisch betrachtet nicht gelogen.

All das erscheint im Nachhinein unnötig. Wozu mussten die Entwickler direkt einen E-Sport-tauglichen PvP-Modus versprechen? Hätte es nicht gereicht, wenn die Duellfunkti‌on mit dem Launch einfach da gewesen wäre? So ganz ohne riesige Ankündigung? Wäre das Interesse an Diablo 3 nicht auch so hoch genug gewesen?

Nur, dass wir uns richtig verstehen – es ist die Aufgabe jedes Werbetreibenden, Interesse an seinem Produkt zu erzeugen. Die überdrehte PR hat zwar ohne jeden Zweifel ihren Teil dazu beigetragen, dass Diablo 3 schon kurz nach dem Verkaufsstart alle Rekorde gebrochen hat. Aber das kann nicht ohne Rücksicht auf Verluste geschehen. Wie viel finanziellen Schaden wird die verbreitete Enttäuschung über Diablo 3 langfristig verursachen? Wie viele Spieler werden beim nächsten Blizzard-Spiel eben nicht mehr blind zugreifen? Blizzards Image war über die Jahre beinahe makellos gewesen. Diese Zeiten sind vorbei.

Diablo 3 ist alles andere als ein schlechtes Spiel. Der Beweis liegt in den hunderten Stunden, die die meisten es schon gezockt haben. Aber es ist eben „nur“ ein Spiel. Den Erwartungen beinahe aller Spieler, die die berühmte eierlutschende Wollmilchsau erwartet hatten, wird es eben nicht gerecht. Hin und wieder blitzt eine Spur des großartigen Spieles durch, das es eben auch hätte sein können, und das macht den tatsächlichen Zustand des Spiels nur um so bitterer.

Blizzard muss nun versuchen, die Enttäuschten wieder einzufangen, allerdings ohne dabei wieder Versprechen zu machen, die man nicht halten kann. Die aktuellen Imageprobleme wird man nicht mit Ankündigungen lösen, sondern nur mit einem besseren Spiel. Denn eines ist ganz klar: wenn sich Diablo 3 mit Patches und Erweiterungen doch noch zu einer Spielelegende entwickeln sollte, dann werden die meisten Spieler vergeben und verzeihen – und langfristig eben auch vergessen, welchen Zorn sie einmal gegen Blizzard gehegt haben.

Deimos