Hardcore – Der Harte Kern #8 – Rückblick auf das Leben von AmyWineberg

D3 Hardcore Char AmyWineberg

Inhalt

  • Vorwort
  • Die Anfänge
  • Patch 1.0.8 und der Arkanflut/Blizzard-Build
  • Hardcore Paragon 100
  • Die Monate danach
  • Der indiablo-Guidecontest 2013
  • Patch 2.0
  • Die Reaper of Souls-Ära
  • Rifts und Greater Rifts
  • Amys letzter Run

Vorwort

Am späten Abend des 8. Januar 2015 ging für mich eine Ära in Diablo 3 zu Ende: Meine Hardcore-Zauberin AmyWineberg starb nach fast 700 Stunden des Kampfes und fast 50.000 getöteten Elitegegnern. Aufgrund ihrer, für einen Diablo 3-Hardcorecharakter, ungewöhnlich hohen Lebenserwartung, ihrer zahlreichen Errungenschaften und der Veränderungen, die das Spiel durchmachte, seit sie die Düsternis Sanktuarios an jenem Donnerstag im April 2013 erblickte, habe ich mich entschieden, hier einen Rückblick auf das Leben von AmyWineberg und Diablo 3 zu veröffentlichen. Es ist die Geschichte eines Spiels, das einem stetigen Wandel unterliegt und einer Zauberin, die in dieser, sich ständig verändernden Welt stets ihren eigenen Weg fand.

Die Anfänge

Wir schreiben Donnerstag, den 11. April 2013. Seit etwa zwei Monaten ist Patch 1.0.7 auf den Live-Servern aufgespielt. Neben einigen kleineren Änderungen brachte der Patch neue seltene Rezepte für Amulette, Schultern, Handschuhe, Brustpanzer und Armschienen. Zur Herstellung der neuen seltenen Gegenstände waren neben einigen bereits vorher erhältlichen Materialien die „Dämonischen Essenzen“ notwendig, die von Elitegegnern erbeutet werden konnten. Außerdem wurde dem Spiel eine PvP-Arena zugefügt, die die Erwartungen der meisten Spieler allerdings nicht erfüllte.

Nachdem ich etwa 2 Wochen zuvor eine sehr teuer ausgestattete Zauberin auf Paragonstufe 38 durch Unachtsamkeit in den damals sehr beliebten Bastionstiefen, Ebene 2, verloren hatte, entschied ich mich, erneut eine Zauberin zu erstellen – mit dem Ziel eines Tages Paragonlevel 100 zu erreichen.

Exkurs: Der Charaktername „AmyWineberg“

Hin und wieder mache ich mir Gedanken über passende Namen für meine Charaktere in Diablo 3. Manche sollen schön klingen, andere sollen auf irgendeine Art lustig sein. Meistens bediene ich mich dabei im englischen Sprachgebrauch, da es sich oft besser anhört. Da die neue Zauberin einen Vor- und einen Nachnamen haben sollte und man auf insgesamt 12 Buchstaben beschränkt ist, kam nur ein kurzer Vorname in Betracht. Amy klang für mich schön und passend und erfüllte außerdem das Kriterium, sehr kurz zu sein.

Der Nachname sollte in irgendeiner Weise an ein hochbegabtes Wunderkind erinnern, da die Zauberin in der Geschichte von Diablo 3 eben auch als solches gilt. Dazu fand ich einen amerikanisch klingenden Namen, der auf deutsche Wurzeln schließen lässt, passend. Ich zog etwas mit der Endung –stein oder –berg in Betracht und entschied mich für Wineberg, wobei die englische Schreibweise von Wein (Wine) wichtig dabei war. Dass der Name AmyWineberg stark an die zwei Jahre zuvor verstorbene Amy Winehouse erinnert – und es dazu durchaus auch eine optische Ähnlichkeit zwischen der Zauberin aus Diablo 3 und dem verstorbenen Popstar gibt, fiel mir erst einige Tage nachdem ich den Charakter erstellt hatte, auf.

Naheliegend, jedoch keine Inspiration für den Charakternamen: Die 2011 verstorbene Popikone Amy Winehouse

Naheliegend, jedoch keine Inspiration für den Charakternamen: Die 2011 verstorbene Popikone Amy Winehouse

Nun aber zurück zu Amys Anfängen in Sanktuario: Auf welche Weise Amy genau ihren Weg zu Charakterlevel 60 machte, lässt sich nicht mehr genau rekonstruieren. Ich hatte in dieser Zeit meine Charaktere meistens selber auf Level 60 gebracht und mir Wegepunkte und Diablokills zum Freischalten neuer Schwierigkeitsgrade von befreundeten Spielern geben lassen, daher denke ich, dass es auch bei diesem Charakter der Fall war – zumindest lässt die Spielzeit bis zum ersten Diablokill auf Inferno darauf schließen. Die Story hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon einige Male mit anderen Hardcorecharakteren durchgespielt, weshalb ich mich dieser Herausforderung nicht mehr stellte, sondern nur noch am sogenannten „Endgame“ interessiert war. Lediglich den Infernomodus spielte ich mit einem neuen 60er Char noch einmal komplett durch.

Da ihre Vorgängerin sehr teure Ausrüstung mit über den Jordan nahm, stammte Amy aus sehr bescheidenen Verhältnissen. An Zunimassas Set und ein Triumvirat war nicht zu denken. Lediglich ein frisch erspielter Höllenfeuerring zierte die Ausrüstung, die ansonsten größtenteils aus aufgehobenen seltenen Gegenständen bestand. Als ich Akt 4 durchspielte, entschied ich mich, ein Schild in der Offhand zum besseren Schutz zu tragen.

AmyWineberg nach ihrem Diablokill auf Inferno-MP0 am 16. April 2013mit Paragonlevel 7 und 15 Stunden Spielzeit

AmyWineberg nach ihrem Diablokill auf Inferno-MP0 am 26. April 2013 mit Paragonlevel 7 und 15 Stunden Spielzeit

Nun, da die Story im Schwierigkeitsgrad „Inferno“ einmal durchgespielt war, ging es ans effektive „Paragonfarmen“. Zu dieser Zeit waren die sogenannten „Alkaizer-Runs“ in Akt 3 auf Monsterstärke 0 (MP0) oder MP1 sehr beliebt. Im Hardcoremodus machten wir diese Runs vornehmlich in Gruppen, um, gerade im Fall eines Disconnects, einen höheren Schutz zu genießen. Der klassische Run begann im Areatkrater, Ebene 3 und führte anschließend durch den Turm der Verfluchten, Ebene 1, die Bastionstiefen Ebene 2, den Rakkisübergang und die Felder des Gemetzels. Hin und wieder variierten wir diese Runs auch. Da es damals nicht möglich war, zwischen den Akten hin- und herzuspringen, fand fast das gesamte Endgame in Akt 3 statt. Lediglich zum Farmen neuer Höllenfeuerringe wurde ein Abstecher zu den jeweiligen Schlüsselhütern und anschließend nach Neu-Tristram unternommen.

InMemoriam verfasste Anfang 2013 hier auf indiablo einen Blizzard-Speedfarmguide, der die Grundlage zu meiner Spielweise bildete. Die Zaubererfertigkeit „Blizzard“ wurde mit Patch 1.0.7 deutlich stärker, was hohe Farmgeschwindigkeiten auf niedrigen MP-Stufen ermöglichte und außerdem die Wahl der defensiven Fertigkeiten „Teleportation“ und „Spiegelbilder“ zuließ.

Patch 1.0.8 und der Arkanflut/Blizzard-Build

Am 8. Mai 2013 wurde Patch 1.0.8 auf den europäischen Server aufgespielt. Dieser Patch veränderte Diablo 3 deutlich: Die Monsterdichte wurde in allen Akten, außer in Akt 3, erhöht, sofern man höher als MP0 spielte. Außerdem wurde es lohnenswerter, in Gruppen und auf höheren Monsterpowerstufen zu spielen und, man höre und staune: Man konnte nun alle Gegenstände im Inventar auf einmal identifizieren(!). Gefundene Gegenstände konnte man nun innerhalb eines kurzen Boxenstopps in der Stadt identifizieren und anschließend verkaufen, verschrotten oder einlagern.

Zu diesem Zeitpunkt war Amys Ausrüstung – dem Auktionshaus sei Dank – längst wieder auf einem vorzeigbaren Niveau und bereits ein Paragonlevel über 40 erreicht. Um mir ein Bild von der neuen, angepassten Monsterdichte zu machen, spielte ich die komplette Story auf Inferno MP1 im Alleingang noch einmal in Ruhe durch. Zwei Dinge wurden in den darauffolgenden Tagen schnell klar:

  1. Akt 1 ist der neue „Place to be“, wenn man in diesem Spiel effektiv Erfahrung sammeln will
  2. Da fortan mehr in Gruppen und auf höheren MP-Stufen gespielt wird, muss ein neuer Build her, der mehr effektiven Schaden verursacht, als der Blizzard-Build

Während Punkt 1 eine willkommene Abwechslung für jeden Intensivspieler in dieser Zeit war, und eine neue Farmroute (Schwärende Wälder und gegebenenfalls Leorics Anwesen –> Felder des Elends (idealerweise mit der Verfallenden Krypta) –> Hain des Wehklagens –> das Ganze wieder von vorne) im Informationszeitalter anno 2013 schnell ausgemacht war, stellte mich Punkt 2 vor eine größere Aufgabe, die ich zudem alleine lösen musste:

Im Prinzip gab es bei der Zaubererklasse zu diesem Zeitpunkt genau zwei effektive und verbreitete Builds: Den Archon- und den CM-Wizard und auf diese Builds fokussierten sich auch alle nennenswerten Diskussionen in den Charakterforen rund um Diablo 3. Ein CM-Wizard war damals so ziemlich das Undankbarste, was man im Hardcoremodus spielen konnte. Die Preise für die Ausrüstung waren im HC-Auktionshaus extrem teuer und praktisch unbezahlbar, wenn sie zudem gute Stats haben sollte und dazu war der Build sehr gefährdet bei Lags, da die LoH-Mechanik in diesem Fall versagte. Auch einen Archon wollte ich nicht spielen, da er wenn überhaupt nur einmal vor Beginn des Cooldowns teleportieren konnte und keinen effektiven Schutz vor cc-Effekten der Elitegegner hatte.

In diesen Tagen nahm ich zunehmend Kontakt zur auf indiablo beheimateten HC-Gemeinschaft Viva auf und machte zahlreiche Tests mit dem experimentierfreudigen und kompetenten Mitglied Halala. Am Ende befand ich einen Arkanflut/Blizzard-Build, der rund um einen seltenen SoJ, der die Ressourcenkosten von Arkanflut senkte, aufgebaut war, für die beste Lösung. AmyWineberg befand sich zu der Zeit in den späten 60er Paragonlevel und spielte ab Paragonstufe 70 ausschließlich mit diesem Build.

Ich veröffentlichte in der Akademie der Zauberer auch eine Konzeptvorstellung, um den Build zur Diskussion zu stellen. Ein Nachteil des Builds und des hohen effektiven Schadens war das Eliteaffix „Reflektiert Schaden“. In den 90ern angekommen tauschte ich einen schadensstarken Zauberstab gegen einen langsamen und etwas schwächeren Speer mit dem Affix „% des zugefügten Schadens wird in Leben umgewandelt“, da ich auch die letzten Level auf dem Weg zu Paragonstufe 100 heil überstehen wollte.

Die „klassische“ Ausrüstung von vielen Zauberern in Patch 1.0.8: Einhandwaffe mit Sockel, hoch gerolltem „schwarzen“ Schaden und Lifeleech-Affix, Triumvirat, Geisterstunde, Zunimassas Brustschutz, Stiefel und Ring, Tal Rashas Maske der Weisheit, Blackthorns Tjostkettenrüstung (als defensive Option, die Alternativen wären Innas Mäßigung oder Tiefenwühler), sowie geschmiedeten Schultern, Handschuhen, Armschienen und Amulett

Die „klassische“ Ausrüstung von vielen Zauberern in Patch 1.0.8: Einhandwaffe mit Sockel, hoch gerolltem „schwarzen“ Schaden und Lifeleech-Affix, Triumvirat, Geisterstunde, Zunimassas Brustschutz, Stiefel und Ring, Tal Rashas Maske der Weisheit, Blackthorns Tjostkettenrüstung (als defensive Option, die Alternativen wären Innas Mäßigung oder Tiefenwühler), sowie geschmiedeten Schultern, Handschuhen, Armschienen und Amulett

Hardcore-Paragonlevel 100

Am Abend des 22. Juni 2013 war es dann soweit: Kurz vor Erreichen der Paragonlevel 100-Marke ereilte mich aber noch eine Schrecksekunde: Eine Gruppe von Bullen (Wilde Bestien, im Spielerjargon gerne „Busse“ genannt) in den Feldern des Elends nahm Amy auf die Hörner und lösten einen „Instabile Anomalie“-Proc bei Paragonlevel 99,87 (!) aus.
Die Situation ließ sich aber meistern und nachdem ich mich wieder beruhigt hatte, erreichte Amy Paragonlevel 100, begleitet von vier Viva-Mitgliedern, in der Grafschaft Launebach – als 38. Zauberer auf dem europäischen Server und als 104. weltweit, sofern das das Ranking von diabloprogress damals vollständig war:

AmyWineberg erreicht Paragonstufe 100 im Hardcoremodus in der Grafschaft Launebach als 38. Zauberin auf dem europäischen Server

AmyWineberg erreicht Paragonstufe 100 im Hardcoremodus in der Grafschaft Launebach als 38. Zauberin auf dem europäischen Server

Meine Spielzeit bis dahin betrug etwa 248,5 Stunden, der Progress fand nach Erscheinen von Patch 1.0.8 überwiegend auf MP4 +/- 1 statt und Amy zählte ziemlich genau 14.000 Elitekills. Da ich von jedem Paragonlevelup einen Screenshot machte, stellte ich in den folgenden Tagen eine Clipshow aus diesen zusammen und veröffentlichte sie auf youtube und vimeo unter dem Namen „AmyWinebergs Way to Paragon 100“.

Vimeo-Link zu dem Video:

Die Monate danach

Mein großes und eigentlich für unmöglich gehaltenes Ziel in Diablo 3 war erreicht: Ich hatte einen Charakter auf die damalige Maximalstufe von 100 im Hardcoremodus gebracht – Accountparagon war ja damals noch ein Fremdwort :clown:. Da ich Amy nun eine Pause gönnen wollte und von der Klasse ehrlich gesagt auch genug hatte, widmete ich mich nun in erster Linie meiner Dämonenjägerin. Amy kümmerte sich aber weiterhin um den Nachwuchs, also sie half beim Hochleveln kleiner Chars von befreundeten Mitspielern und nahm gelegentlich auch an Farm- und Keyruns teil, führte aber ein weitestgehend zurückgezogenes und ruhiges Leben.

Der indiablo-Guidecontest 2013

Mitte September 2013 erwischte mich eine heftige Grippe und ich war für mehrere Tage ans Bett gefesselt. Die Zeit nutzte ich, um meine Konzeptvorstellung, die ich im Mai in der Akademie der Zauberer veröffentlicht hatte, in einen richtigen Guide umzuwandeln. Es entstand eine Diskussion um diesen Build und um mögliche effektive Modifikationen für hohe MP-Stufen und den Softcoremodus. Als indiablo einen Guidecontest ankündigte, entschied ich, den Guide nochmal in einigen Punkten zu hinterfragen und ihn so zu überarbeiten, dass er eine Chance hat, den Contest zu gewinnen. Ich machte wieder zahlreiche Runs mit Amy um die Spielbarkeit von alternativen Ausrüstungsoptionen zu testen und den Build anhand von Screenshots und Gameplayvideos vorzustellen. Am Ende war mein Guide gut genug, um den Contest per Userentscheidung gewinnen zu können.

Patch 2.0

Patch 2.0 bereitet Diablo 3 auf das kommende AddOn „Reaper of Souls“ und die damit ebenfalls verbundene Abschaffung des Auktionshauses vor. Da von nun an nur noch ein sehr eingeschränkter Handel in dem Spiel möglich ist, wurde ein neues Lootsystem eingeführt, welches der hohen Streuung bei der Qualität der verfügbaren Gegenstände deutlich engere Grenzen setzte. Zudem gab es zahlreiche neue Gegenstände, alte Gegenstände und die Eigenschaften vieler Fertigkeiten wurden verändert.
Da diese Designänderungen auch die Rune Kaskade von Arkanflut betraf, funktionierte mein Build, der den Kaskade-Effekt durch einen hohen Tickschaden ausnutzte, nicht mehr wie vorher. Dauerarchon- und CM-Wizards gehörten von nun an ebenfalls der Vergangenheit an, da die Archonfertigkeit verändert- und das Kritische Masse-Passiv aus dem Spiel genommen wurde. Arkanflut machte jedoch sogar mehr Schaden als vorher, weshalb ich meiner Spielweise grundsätzlich treu bleiben konnte.

Eine weitere überarbeitete Fertigkeit sorgte unter den Zauberern jedoch für Aufsehen: Die aus Diablo 2 bekannte Frostsphäre feierte ein Comeback als eine Runenmodifikation der Arkanen Kugel – und machte außerdem enormen Schaden! Viele Zaubererspieler bauten einen Build rund um diese neumodifizierte Fertigkeit. Ich nutzte den Skill zeitweise auch, ersetzte allerdings den Blizzard durch diese Fertigkeit und spielte als Primärangriff weiter mit Arkanflut.

Die Reaper of Souls-Ära

Am 25. März 2014 erschien dann endlich das AddOn “Reaper of Souls” für Diablo 3. Ich spielte den neu freigeschalteten fünften Akt zunächst als Hexendoktor durch, da ich das Solospiel mit einer Zauberin nie besonders mochte und auch nicht Gefahr laufen wollte, den Charakter durch mir noch unbekannte neue Spiel- und Bossmechaniken zu verlieren. Nachdem die Story einmal durchgespielt war, nahm ich den neuen Content also nun mit meiner Zauberin auf. Meine, in zahlreichen Classic-Spielstunden erfarmte Ausrüstung erwies sich schnell als wertlos, wurde ersetzt und die neu ins Spiel gebrachten Fertigkeiten wurden erprobt.

Zwei Classic-Gegenstände benutzte ich noch längere Zeit: Meinen liebgewonnenen Stein von Jordan, der die Ressourcenkosten von Arkanflut senkte und mein Triumvirat. Das Triumvirat konnte im Schaden mit den neuen Quellen noch lange mithalten, da die aus Classic bekannte Blackdamage-Mechanik noch wie zuvor funktionierte und das Triumvirat außerdem das Affix „kritische Treffer gewähren 10 Arkankraft“ vorwies, ein Affix, welches in Reapor of Souls auf den Wert von maximal 4 Arkankraft pro kritischem Treffer abgeschwächt wurde.

Mit der Zeit wurden aber auch diese Gegenstände ersetzt und neue Möglichkeiten gefunden, um mit der Arkankraft haushalten zu können. Der Helm „Fall des Hochmuts“, den man in Akt 3-Kopfgeldern erspielen konnte, senkte effektiv die hohen Ressourcenkosten und das „Wickeltuch des Seelenernters“ bot einen Ersatz für das zuvor verwendete und inzwischen umgestaltete Passiv „Machthungrig“.

Die Möglichkeit, Gegenstände in Reaper of Souls nun transmogrifizieren zu können, ließ ich natürlich nicht ungenutzt :)

Die Möglichkeit, Gegenstände in Reaper of Souls nun transmogrifizieren zu können, ließ ich natürlich nicht ungenutzt :)

Während die meisten Zauberer in dieser Zeit einen Frostorb-Build spielten, fand Amy großen Gefallen an der neu erlernten Fertigkeit „Schwarzes Loch“, einem sympathischen Angriffszauber, der zudem sehr gut mit Arkanflut harmoniert. Eine Theorycrafting-Session ließ mich zu dem Ergebnis kommen, dass die Kombination aus dem Vertrauten mit der ebenfalls neu eingeführten Rune „Kanonier“, Arkanflut mit der Rune „Sabotage“ und Schwarzes Loch mit der Rune „Supermassiv“ die Eckpfeiler meines Builds darstellen sollten. Das Sekundäraffix „Reduziert die Dauer von Kontrollverlusteffekten“ und später die überarbeiteten Eiskletterer machten zudem die Benutzung von „Spiegelbilder“ als Defensivfertigkeit überflüssig.

Überarbeitet wurde mit Patch 2.0 auch das Set „Tal Rashas Elemente“. Dieses Set begünstigte eine multielementare Spielweise. Da mein Build mit geringen Modifikationen eine solche multielementare Spielweise zuließ, lag mein Fokus von nun an darauf, das Set zu vervollständigen um durch den Setbonus und der Verwendung des Passivs „Den Elementen ausgesetzt“ weiteren effektiven Schaden zu generieren.

Später im Laufe der Entwicklung von Reaper of Souls wurde das Set „Pracht des Feuervogels“ gebufft. Bereits vor diesem Buff war der Setbonus für vier Teile, der der Zaubererklasse einen „dreifachen Boden“ brachte gern gesehen unter den HC-Zauberern. Der Bonus für sechs Teile war es aber, der dieses Set unabkömmlich für jeden Zauberer machte, der es in den nun eingeführten Greater Rifts zu etwas bringen wollte. Amy verfügte glücklicherweise über einen großen Kleiderschrank und da das Set rückwirkend gebufft wurde, war der Genuss dieser neuen, im Spielerjargon als OP-Set bezeichneten Magiergewandung sofort verfügbar.

AmyWineberg vor einem Nephalemportal in Reaper of Souls

AmyWineberg vor einem Nephalemportal in Reaper of Souls

Die grundsätzliche Spielweise, mit der Zaubererspieler die Ranglisten der großen Nephalemportale stürmten, sagte mir allerdings nicht zu. Zu gefährlich und Solospielen mochte ich mit der Zauberin wie bereits erwähnt, eigentlich nie. Da ich die als G-Rifts bezeichneten großen Nephalemportale als Zauberin nur in Gruppen ernsthaft in Angriff nahm, entschied ich mich, zwar auf das Feuervogel-Set zu setzen, jedoch einen Build zu spielen, der sich dem Spielstil der Gruppen anpasste, in denen ich daran teilnahm. Da meistens ein Supportmönch mit von der Partie war, entschied ich mich für eine Variante, die auf zwei Mammuthydras (durch den „Funkenstab der Schlange“), Arkanflut mit der Rune „Flammenschutz“ und dem schwarzen Loch mit der Rune „Blasar“ als Angriffsfertigkeiten setzte. Dieser Build eignete sich zwar nicht zum Kiten großer Gegnerhorden und war daher im Solospiel wenig effektiv, konnte aber in entsprechenden Gruppen sein hohes Schadenspotenzial ausspielen und machte das erfolgreiche Abschließen von Nephalemportalen bis Stufe 35 möglich.

Amys letzter Run

Was braucht es nun, um einen Hardcorecharakter mit guter Ausrüstung, einem dreifachen Boden, einem hohen Paragonlevel und einer eher defensiven Spielweise ein Ende zu bereiten?

  • Die Überbosse auf der höchsten Schwierigkeitsstufe?
  • Einen waghalsigen Versuch, ein hohes G-Rift zu schlagen?
  • Eine unglückliche Affixkombination von gleich mehreren Elitegegnergruppen?
  • Ein technisches Problem wie ein Lag, einen Verbindungsabbruch oder einen Softwareabsturz im regen Kampfgeschehen?

Nein, nichts von alldem! Wir schreiben Donnerstag, den 8. Januar 2015. In Reaper of Souls herrscht zum Ende der ersten Season eine allgemeine Flaute. Die wenigen verbleibenden Spieler sind überwiegend in der bald ablaufenden Season unterwegs. An diesem Abend freute ich mich aber über rege Aktivität und Beteiligung innerhalb der Nonseason-Szene. Zwei weitere Nonseason-Spieler und ein Rückkehrer, der sich dem Spiel zwei Wochen nach Release von Reaper of Souls abwendete, schlossen sich mir an und wir hatten eine volle Gruppe beisammen, in der alle Beteiligten über Teamspeak miteinander kommunizierten. Um dem Rückkehrer etwas auf die Beine zu helfen, spielten wir T6-Rifts und überließen ihm alle Funde, die ihm möglicherweise weiterhelfen konnten. Es schien ein „einfacher“ Abend zu werden. Man spielte, quatschte, freute sich, das Accountparagonlevel etwas voranzutreiben und hoffte natürlich wie immer auf einen Fund, der den eigenen Charakter noch ein wenig weiterbringt…

Der Grund für Amys überraschendes Dahinscheiden in dieser banalen Spielsituation war eine kleine Unachtsamkeit gepaart mit einem anschließenden Worst Case-Szenario: Die Karte in unserem T6-Rift besaß das Layout der Bastionstiefen, Ebene 1; also der Karte in der immer wieder Flammenwände mit beträchtlichem Schaden aus einigen Stellen am Boden schießen. Außerdem war die Karte mit einigen Monstern, die aus Akt 5 bekannt sind, bestückt. Ich teleportierte mich durch eine Wand, auf deren Rückseite diese Flammengräben und zwei Executioner lauerten. Executioner sind die großen Monster mit zwei Klingenhänden, die durch einen weitläufigen, langsamen Sprung den Spieler betäuben, bevor sie angreifen. Unglücklicherweise teleportierte ich mich direkt auf eine Stelle, die eine Feuerwand auslösen konnte, als ich von den beiden Executionern angegriffen wurde und kam aus dieser Situation nicht mehr heraus. Instabile Anomalie löst aus, der Feuervogel-Proc folgte kurz darauf und die Flammenwand setzte dem Charakter schließlich ein überraschendes und schnelles Ende.

Amys Todesnachricht vor rotem Hintergrund. Die beiden grün eingezeichneten Pfeile auf der Minimap skizzieren die misslungene Teleportation, die das Ableben des Charakters zur Folge hatte.

Amys Todesnachricht vor rotem Hintergrund. Die beiden grün eingezeichneten Pfeile auf der Minimap skizzieren die misslungene Teleportation, die das Ableben des Charakters zur Folge hatte.

Ein Jahr und neun Monate sind vergangen, seit ich AmyWineberg auf ihre lange Reise durch die Welt von Sanktuario, drei große Patches und ein AddOn schickte. Über 690 Spielstunden mit einem sehr individuellen Charakter, insgesamt 48.264 Elitekills, Hardcore-Paragonlevel 100 in Diablo 3 Classic als 38. Zauberer auf dem europäischen Server und ein gewonnener Guidecontest sind ihr Vermächtnis.

Ruhe in Frieden Amy – deine Heldentaten werden unvergessen bleiben!

Amy RiP 2

Geschrieben von IDreamofJenna