Runkultur

Alle Rennen. Lola rennt. Hennen rennen. Ok, Jane läuft. Aber das Tempo ist bekannt und wo kein Schnee liegt kann bekanntlich gelaufen respektive teleportiert werden. In Baal-, Mephisto-, oder Tristram Runs wird die Devise vorgegeben: Immer schneller, immer kürzer muss es sein. Was beim menschlichen Liebesakt mit Recht verschmäht, wird hier auf das Podest gehoben, auf dem man am Ende selber gerne stehen würde. Gut, mag der ein oder andere sagen; aber wer schneller fertig ist der kann schließlich auch öfter – mit Nichten meine Mausschwingenden Kameraden(innen). 30-mal in der Stunde ist auf Dauer weder im Spiel noch in der Liebe gesund.

Aber verlassen wir jetzt mal das interdisziplinäre Forschungsfeld des Liebesspieles.
Wir versuchen unsere kurzzeitigen Bedürfnisse mit diesen Runs zu befriedigen. Das Bedürfnis nach Glück, Erfolg, Zusammengehörigkeit, oder vielleicht versucht man durch die Runs einfach nur etwas Abstand vom Alltag zu erringen. “HOHOHO. Net schlecht Meister, in dem Club werde ich Ehrenmitglied“ wird sich der ein oder andere denken. Schnell rein, schnell raus keine Fragen und am Ende vergrößern sich Erfahrungs-Stand wie Itempool.

Doch es ist eben nur eine kurzweilige Befriedigung die wir durch die Runkultur erfahren und so schnell wie der Spaß gekommen ist verlässt er uns wieder. Ja, wahre Glücksmomente erfahren wir. Momente die so kurz sind, dass wir uns kurze Zeit später nicht mehr an sie erinnern. “War es Itelebaal-23 oder xbaal12 in dem ich mit meinen Clanmates mein Level-up gefeiert habe?“ Es sind keinesfalls die Arten von intensiven Glücksmomenten nach denen wir alle im Leben streben, da man mit ihnen keine ausgeprägten Emotionen verbindet. Diese Momente sind so kurz das keine Zeit zum genießen bleibt, denn die Runs gehen weiter, ob mit oder ohne uns. Wer auf Augenhöhe in Sachen Trade und Ladder bleiben will muss eben Runs machen. Ja es sind noch nicht einmal die Arten von Momenten die man teilweise in anderen Spielen erlebt, aber die uns längere Zeit in Erinnerung bleiben, wie z.B das erstmalige Besiegen eines Endbosses. Bei einem solchen Kampf macht man sich vielleicht Gedanken über eine Strategie und stellt sich auf einen langen Kampf mit Höhen und Tiefen ein. Runs sind eben schnell, sie sind automatisiert und sicher und wer denken will sollte währenddessen besser 9Live Rätsel lösen. Nicht von ungefähr kamen zu 1.09 Zeiten die ersten Bots im Battle.Net auf die Abläufe automatisierten. Ich verabscheue eine derartige Form des Spielens, dennoch zeigen gerade Bots wie eintönig Diablo durch Runs wird, wenn ich bereits durch ein dummes Script ersetzbar bin. Durch Runs wird das Spiel alltäglich und ich gehe noch einen Schritt weiter und sage, dass dadurch auch das Spiel an sich Teil unseres Alltags wird.
Wir wollen mehr, wir sind Menschen – junge vitale – wir sind hungrig, wir sind gierig, wir brauchen den neuen Kick “Noch 4 Mio bis Level 98“, “Beim nächsten HF-Rush/Meppelrun dropt was besseres“. Ein Spaß der süchtig macht, oder schon eine Sucht die Spaß macht?