Sind die Items nun auf dem richtigen Weg?

diablo-3-reaper-of-souls-konsoleEiner der am häufigsten kritisierten Punkte in Diablo 3 sind die Items – zu langweilig und eintönig sind sie, es kommt kaum ein Sammeltrieb auf. Nun wurde auf der Gamescom das Diablo 3 Addon Reaper of Souls angekündigt und damit auch das neue Loot 2.0 System. Ob man damit diesmal alles richtig macht und wo es noch Verbesserungspotential geben könnte, wollen wir nun in diesem Artikel genauer beleuchten.

Eines der Hauptprobleme der bisherigen Items war, dass sie keinen spezifischen Zweck im Charakter-Build erfüllten. Ein Gegenstand, der ein Upgrade für den eigenen Charakter darstellte, hatte meist genau die gleichen Affixe wie sein Vorgänger, nur eben mit marginal höheren Werten. So verbesserte sich zwar der eigene Charakter, aber so richtig Begeisterung wollte nur selten aufkommen, wenn man mal wieder ein halbes Prozentpünktchen kritische Trefferchance oder ein bißchen Vitalität hinzugewonnen hatte.

Am Ende blieb immer noch alles beim Alten. Große, spaßige und spannende Änderungen brachten die Items nicht, dabei waren sie die einzige Individualisierungsmöglichkeit, die einem Spieler für seinen Charakter noch blieb. Dies verdeutlicht man am besten an einer Beispielausrüstung eines Charakters:

  • So viel vom Hauptattribut wie möglich
  • hohe kritische Trefferchance & -schaden
  • erhöhte Angriffsgeschwindigkeit
  • Vitalität/ erhöhtes Leben
  • Resistenzen
  • Lebensabsaugung
  • Armor

Wer errät, welchen Charakter ich hier beschrieben habe? Richtig, jeden Charakter mit nahezu jedem erdenklichen Skill-Build. Items waren keine Individualisierungsmöglichkeit, sondern eine generische Suppe aus den immer gleichen Gegenständen, bei denen es jedesmal um nichts als die Maximierung der selben Werte ging.

Diablo 3 Loot 2.0Nun soll sich mit dem Loot 2.0 System einiges ändern, die Gegenstände werden speziell darauf ausgelegt sein, einzelne Skills zu verbessern und somit viele neue Builds zu ermöglichen. So könnte man zum Beispiel als Dämonenjäger mit Multischuss ganz anders ausgerüstet sein, als ein Charakter mit Elementarpfeilen, Schnellfeuer oder anderen Skillungen. Von simplen Möglichkeiten wie „Erhöht den Schaden des Skills um 30%“ bis hin zu verrückten Dingen sind hier viele Affixe denkbar, die für deutlich mehr Spaß beim Sammeln von Items sorgen. Endlich wären Items wieder eine Individualisierungsmöglichkeit, jeder Spieler kann auf die Jagd nach den Items gehen, die für seinen Lieblingsbuild nützlich sind.

Hinzu kommen die Smartdrops, die die Gegenstände noch einmal interessanter für die eigene Charakterklasse gestalten können. Es besteht also die Chance, Gegenstände zu finden, die neben ohnehin schon brauchbaren Stats noch speziell auf die gespielte Klasse zugeschnittene Boni erhalten. Dies dürfte die Motivation bei der Suche nach neuen Items wieder erhöhen, da man nun nicht nur nach interessanteren Gegenständen sucht, sondern auch noch ständig auf zusätzliche, spezielle Werte hoffen kann. diablo-3-reaper-of-souls-itemsUnd wenn ein Item mal nur ein wenig daneben geraten ist, aber ansonsten eigentlich sehr gut für den eigenen Charakter geeignet ist, kann man es noch immer zur Mystic bringen und dort mit ein wenig Glück genau die Werte erhalten, die man haben wollte. Während die Legendaries bisher also nur bessere Rares waren, die einem beim identifizieren häufig eine Enttäuschung einbrachten, da die Zufallswerte zu schlecht geraten sind, soll es nun deutlich interessantere Gegenstände geben, die man mit etwas Glück auch noch an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann.

Doch auch das neue Itemsystem krankt noch an einem grundlegenden Problem des Spiels – dem Auktionshaus. Solange man dort die ganzen Highend Items präsentiert bekommt, die ein Normalspieler sich ohne sehr viel Glück ohnehin niemals leisten können wird, wirken auch die interessantesten Gegenstände im Vergleich wieder langweilig. Blizzard versucht diesem Phänomen derzeit damit zu begegnen, verstärkt auf Account-gebundene Gegenstände zu setzen. Im Moment befindet sich dieses System noch in einer experimentellen Phase – die Frage ist nun, ob es tatsächlich eine gute Lösung ist, oder ob man dadurch nicht viel eher vor den großen Problemen, die das Auktionshaus mit sich bringt, kapituliert.

Diablo 3 Loot 2.0Möchte man als Spieler tatsächlich Gegenstände haben, die man keinem anderen Spieler schenken oder verkaufen kann?
Das ganze System wirkt wie eine – zugegebenermaßen gut funktionierende – Notlösung. Niemandem scheint eine ernstzunehmende Alternative einzufallen, die das Spiel wieder in den Mittelpunkt der Itemjagd stellt und nicht das Auktionshaus.

Eine Möglichkeit, mit der man das Auktionshaus schwächen, das eigentliche Spiel stärken und die Interaktion zwischen den Spielern erhöhen könnte, könnte darin bestehen, alle Items ab einem bestimmten Itemlevel vom Handel im Auktionshaus auszuschließen. So könnte man das Auktionshaus weiterhin nutzen, um seinen Charakter mit brauchbaren Gegenständen auszurüsten, für die absoluten Top-Items müsste man aber wieder selbst auf die Itemsuche gehen oder mit anderen Spielern direkt handeln. Doch auch dieses System hätte seine Schwächen, denn so würde man voraussichtlich erneut den Handel auf externen Auktionsplattformen wie Ebay stärken, auch wenn dort schon heute eine große Anzahl von Items gehandelt wird. Eine wirkliche Lösung für die Probleme, die das Auktionshaus mit sich bringt, ist derzeit nicht in Sicht.