Teletubbies und andere Teufel

Werter Leser, liebe Leserin,

Es ist Samstagabend, Wochenende. Der Hausputz ist erledigt, der Partner gassi geführt und der Hund befriedigt. In freudiger Erwartung auf das bevorstehende Filmereignis werden noch schnell die letzten Biere aus dem Keller geholt und Knabbereien vorbereitet.
Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen schalten Sie den Namenhaften Fernsehsender ein, der das Heimkinoerlebnis des Jahres verspricht.
Der letzte Werbespot vergeht, das Bild verdunkelt sich und… das laufende Programm wird für eine Sondersendung zum Thema Gewalt an deutschen Schulen unterbrochen. Das Lächeln erstirbt.

Nur eine weitere unter vielen Sendungen, die allesamt nur auf eines hinauslaufen: Gewalt in Computerspielen. Die Inhalte sind denkbar einfach strukturiert und Fakten miserabel recherchiert. Wie oft musste man sich bereits anhören, dass der Einfluss gewaltverherrlichender Spiele auf die heutige Jugend zu Amokläufen und sonstigen Ausschreitungen führt. Doch ganz so einfach ist es dann eben doch nicht.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der es niemanden verwundert, wenn sich eine fragwürdige Gruppierung labiler Außerirdischer zur besten Trick-Sendezeit mit Hilfe drogenähnlicher Substanzen, so genannten Tubbie-Keksen, in einen derartigen Rauschzustand versetzen, dass ihnen die Kommunikation untereinander nur noch mit stark reduziertem Wortschatz möglich ist.
Von den mehr als zweideutigen Symbolen auf den Häuptern dieser suspekten Gestalten möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst Reden machen.
Dass sich hinter diesen Figuren die Teletubbies verbergen sollte mittlerweile jedem klar sein. Fakt ist, dass mit geringfügigen Sprachkenntnissen selbst harmloseste Kinderserien durch den Dreck gezogen werden können.
Das Bestehen einer potentiellen Jugendgefährdung liegt also immer im Auge des Betrachters.

Demnach ist Diablo 2 also gar kein sinnloses Gemetzel, wie es mir meine Mutter nicht selten zu verstehen geben will, sondern viel mehr ein actionreiches Rollenspiel-Abenteuer, das den elementaren Kampf Gut gegen Böse auf eine vollkommen neue Ebene verfrachtet.
Der Held hat die gefahrenlastige Aufgabe Diablo, den Herrn des Schreckens (man beachte „Schrecken“), Inbegriff des ultimativen Bösen (ultimativ!), zu vernichten, auf das die Welt wieder frei sei. Für die Problembewältigung sind weder ausgesprochen brachiale Vorgehensweisen, noch außergewöhnlich ausgefallene oder effektive Tötungsmethoden von Vorteil.

Alles schön und gut, aber was passiert wenn Sven S. aus M., der bereits zum dritten mal den Deutsch-Kurs nicht geschafft hat, mit einer Waffe aus dem Schützenverein seine Lehrerin erschießt und dabei völlig vergisst vorher die Diablo 2-CD aus dem Laufwerk zu entfernen?
Eine leicht zu beantwortende Frage, haben es uns jüngste Ereignisse doch vorgemacht. Durch Zufall stößt die Polizei bei ihren Untersuchungen auf besagtes Beweisstück, lässt sich noch kurz von der Täter-Mutter bestätigen, dass es auch wirklich ihrem Sohn gehört und tritt im Anschluss eine Lawine der Empörung bei verunsicherten Erzeugerfraktionen los. Endlose Diskussionen über gewaltverherrlichende Computerspiele und mögliche Indizierungsverfahren folgen. Ein durchaus bekanntes Szenario.
Eine letzte, entscheidende Frage stellt sich. Wo soll das nur hinführen?
Wir dürfen für Tragödien dieser Art, wie sie sich häufig in unserem Land zutragen, nicht die Medien verantwortlich machen.
Ob Unzurechnungsfähig oder nicht geht Schuld klar von den Tätern aus und das aus einem ganz einfachen Grund.

Computerspiele erschießen keine Menschen.