Warum immer meckern?

Ich will einen neuen PC!
Schnell soll er sein und viel RAM haben, ein Brenner wäre auch nicht schlecht.
Ich studiere die Preislisten. Bei eBay 400,– €, klingt gut und billig. Aber den Fehler hab ich schon mal gemacht: ein Fernseher bei dem die Fernbedienung nicht funktionierte und der Antennenanschluss zerschmolzen war. Dann lieber nicht.
In einem Billig Laden: 600,– €, klingt gut und preislich auch in Ordnung. Doch den Fehler hab ich auch schon mal gemacht: mein letzter PC. Nach 3 Monaten wurde der Lüfter immer lauter und wenig später versagte die Grafikkarte.
Beim Fachhändler kostet ein neuer PC 1000,– €. Aber wenn bei dem PC etwas nicht stimmt, repariert der Fachhändler das Teil. Und wenn es länger dauert, bekomme ich sogar einen Ersatzrechner. Das ist mir das Geld Wert.

Mein Paladin will ein neues Szepter.
eBay und Co schließe ich von vorneherein aus. Das verbietet mir mein Gewissen. Im Battle.net gibt es öfters Trade-Games. Da tummeln sich viele Spieler, die dies und das anbieten. Kleine Szepter, große Szepter, unique Szepter und magische Szepter. Alle sehr schön anzuschauen, manche sogar sehr günstig. Aber ich weiß was passieren kann. Entweder ich lege meine Runen ins Tradefenster, mein Tradepartner legt das Szepter hinein. Doch nach dem Handel hat er meine Runen und ich nur einen kleinen Heiltrank. Oder gar nichts… Trade-Hack halt. Und wer hat noch nicht diese Geschichte gehört? „Traden über’s Tradenfenster geht nicht. Bla & Blub, Wir gehen nach Akt 5 an die Mauer, legen das hin und laufen und im die Mauer.“
Na ja, so kleine Teile kauf ich da auch, mal ’ne Zuckzappel oder billige Handwärmer. Ging immer gut.

Aber mein Paladin will ein neues Szepter und es soll ein gutes sein. Und „gut“ heißt nun mal teuer. Also geh ich ins inDiablo-Tradeforum, doch so toll ist das auch nicht. Es gibt jede Menge Aufpasser, die versuchen die Anzahl an Betrügereien in Grenzen zu halten. Tatsächlich werden sehr selten andere abgezockt.
Ich habe das Szepter gefunden. Ein Magisches, hat alles was ich wollte und noch einige Eigenschaften mehr und sogar zwei Sockel. Laut Wertschätzung ist es zwanzig Ist-Runen wert. Na ja, denke ich mir, Qualität hat halt seinen Preis. Ist überall so. Der Verkäufer ist fleißig am uppen seines Threads. Ich fange mit fünf Ist an. Schnell werde ich überboten. Und genau so schnell zieht es eine Meute von Gaffern an. Doch die schauen nicht auf das wirklich schöne und seltene Szepter, sondern auf die Gebote. Sie stellen Spekulationen an, wie dieser und jener zu seinen Runen kommt.
Die Bieter erklären es. Der Thread schon ist auf fünf Seiten gewachsen. Wer was geboten hat ist kaum noch ersichtlich. Und eigentlich sehe ich kein Bedürfnis, zum hundertsten Mal zu erklären, wie man an Runen kommt. Eigentlich weiß es ja jeder. Ich biete die zwanzig Ist, um eine Deadline einzufordern. Zwei Tage später geht das Szepter für einundzwanzig Ist raus, weil es keine Deadline gab. Mein Gebot wurde überlesen. Er hat sich auch entschuldigt, aber ich kann es verstehen, wenn viele Leute da reichlich reintexten, ist es schwer den Überblick zu behalten.
Gott sei Dank, schreibt mich einer aus meiner Friendlist an. Er hat grad ein Szepter gefunden. Ich schaue es mir an. Es ist auch sehr hübsch. Ich gebe ihm ein paar Runen und danke ihm.
So schön stressfrei kann es sein. Bei ihm muss ich mir keine Gedanken machen.

Ich will meinen PC aufrüsten.
In einem Forum für Hardware poste ich meine Konfiguration. Man empfiehlt mir mehr Speicher zu kaufen. Eine zweite Festplatte sollte nicht schaden. Ich bedanke mich, gehe zum Fachhändler und lasse beides einbauen.

Mein Paladin hat sein neues Szepter.
Ich verfasse einen Post im inDiablo Paladintempel. Ich beschreibe seine Ausrüstung sowie die Skillung und wie ich die Statuspunkte verteilt habe. Ich möchte von den anderen Paladinspielern wissen, was ich noch verbessern kann. Die Leute dort wissen Bescheid. „Nach Möglichkeit Regenbogenfacetten sockeln“, lautet der erste Vorschlag. Macht Sinn, mein Paladin ist ein Fister. Doch schon der nächste Poster stellt die Herkunft meiner Gegenstände in Frage. Ich lese kaum noch mit. Ich sehe die lustigen Clown-Smilies und es fällt ein paar Mal das Wort Troll.
Ich entscheide mich, jemanden aus meiner Friendslist zu fragen. Er kommt nach zwei Minuten zu mir ins Spiel. Ich zeige ihm meine Ausrüstung. „Nett“, meint er, rät mir auch zu Regenbogenfacetten und ein besseres Griffons, wenn ich es mir leisten kann. Ich bedanke mich bei ihm.
So schön stressfrei kann es sein. Bei ihm muss ich mir keine Gedanken machen

Mein PC läuft prima und ich bin zufrieden. Mein Paladin ist auch glücklich mit seinem Szepter. Hätte ich doch gleich meine Friendlist gefragt, denk ich mir. Hätte ich mir Stress erspart.