Wochenmarkt? Nur mit Schutzkleidung

Es ist Mittwoch. Und das heißt: Es ist Wochenmarkt, wie jeden Mittwoch. Leckere Bio-Kost, schadstoffunbelastete Eier direkt vom Erzeuger, der unvergleichliche Geruch bunter Blumen und das würzige Aroma frischer Fleischwaren.

Und ich gehe nicht hin. Ich habe nämlich Angst vor Märkten. Panische Angst.
Seit Wochen träume ich jede Nacht von einem Wochenmarkt des Horrors:

„Die Stände stehen dicht an dicht, man kann sich kaum dazwischen hindurchzwängen. Überall stehen Leute, aber keiner will etwas kaufen. Ich bin der einzige Kunde. Alle anderen schreien mich und sich gegenseitig an, brüllen in schier unglaublicher Lautstärke ihre Angebote. Ich versuche, mich mit meinem Nebenmann zu unterhalten, aber er schreit nur weiter, was er zu verkaufen hat. Die Lautstärke wird unerträglich. Ich versuche, jemanden zu finden, den ich kenne… aber alle sehen gleich aus, und alle schreien.
Ich bin schon fast taub, meine Ohren tun weh.
Voller Verzweiflung ziehe ich mein Handy und telefoniere wahllos die Liste meiner Freunde durch. Aber keiner ist zu erreichen, niemand geht ran. Und um mich herum schreien alle immer weiter, so als gäbe es mich gar nicht.
Ich bin alleine.
Alleine auf dem Wochenmarkt des Schreckens.

Also beschließe ich, zu fliehen. Ich renne. Ich renne immer weiter, solange, bis der Wochenmarkt zu Ende ist.
Dankbar biege ich um die Ecke… und sehe den nächsten Markt. Das Geschrei hinter mir ist noch deutlich hörbar, und vor mir dröhnen mir die ewig gleichen Parolen der seelenlosen Marktschreier schon entgegen.
Mittlerweile bluten meine Ohren, mein Kopf dröhnt. Aber ich muss weiter. Weg von hier, weit weg.
Ich durchquere den Wochenmarkt vor mir, die Hände über den Ohren remple ich mir meinen Weg durch die brüllende Menge.
Am Ende angekommen, sehe ich schon den nächsten Markt. Ich durchquere ihn, ich renne blindlings durch die Menge, mit Ellenbogen und Zähnen kämpfe ich mich durch.

Plötzlich sehe ich vor mir eine Tür. Mein eigener Raum! Ich stürme hinein, sichere das Zahlenschloss mit meiner persönlichen Kombination… und ich genieße die Ruhe. Hier, in meinem eigenen Raum, bin ich sicher. Ich weiß, wie sie draußen schreien, aber hier drinnen kann ich sie nicht hören.

Unerwartet klingelt mein Handy. Wahrscheinlich ruft einer meiner Freunde zurück, denke ich. Ich nehme ab. Und plötzlich dröhnt mir aus dem Hörer das Geschrei von draußen entgegen.
Sie haben meine Nummer.
Ich bin verloren.“

Schweißgebadet wache ich auf, wie jede Nacht. Niemand hat mir bislang sagen können, woher dieser immergleiche Albtraum kommen könnte. Und nach einer unruhigen Nacht wache ich auf, koche mir einen Kaffee und mache meinen PC an. Ich starte Diablo und lande im Channel Deu-2. Mann, sind diese Channels komisch. Da könnte man glatt Albträume von bekommen…