Zu Besuch bei S1gmun|)_Fr3u|)

Ich habe jetzt beschlossen, doch endlich zum Psychiater zu gehen. Wegen Diablo 2! Richtig (regelmäßige Leser erinnern sich in diesem Zusammenhang sicherlich an gewisse Albträume). Die Tatsache, dass ich mich 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche über dieses Spiel aufregen könnte, es aber genauso lange spiele, hat mir dann doch irgendwann zu Denken gegeben. Ich leide anscheinend unter einer Art Hassliebe zu Diablo 2, wobei der Part mit Liebe bei genauerer Betrachtung doch recht klein ist. Nachdem ich erfolglos diverse Entzugsversuche gestartet habe, brauchte ich Hilfe von Fachleuten.

Wenige Tage später stehe ich in der Praxis, und der Seelenklempner begrüßt mich. Während ich mich auf der Liege niederlasse, bittet er mich, meine Lage kurz zu erläutern. Ich lege also los und schütte ihm meine Sorgen aus – meine leidvollen Erfahrungen mit Kindern, Cheatern, Spammern, „n00b!“-Schreiern und und und…
Schnell hat er das Problem durchschaut, scheint es: „Sie hassen die Leute, die dieses Spiel spielen, aber sie geben nicht auf, weil Sie denken, dass es noch Hoffnung geben könnte?“
Ja, das trifft es eigentlich ganz gut. Ich habe schon von Leuten gehört, denen im Battle.Net in offenen Spielen nette Menschen begegnet sein sollen. Sollte mir das einmal passieren, lege ich Diablo 2 wahrscheinlich für immer aus der Hand und gehe ins Kloster. Es tut doch gut, noch Vorsätze zu haben.
„Wissen Sie, was Ihr Problem ist?“
Na, jetzt bin ich aber gespannt.
„Sie halten sich für Jesus.“
WAS? Ich hätte ja eine Menge erwartet, einschließlich ödipaler Komplexe und unterschwelliger Perversheit, aber Jesus ist noch eine Spur härter.
„Sie denken, Sie müssten diese Spielwelt bekehren, und alle, die dort verkehren, durch schiere Gutherzigkeit beeindrucken. Lassen sie mich Ihnen eines sagen: Das klappt nicht. Diese Internet-Server drehen sich nicht um Sie. Sie sind nicht der Heiland, der alle Sünder zum Guten wenden wird. Spielen Sie doch einfach und genießen Sie das, so gut sie können.“

Jetzt bin ich platt. Da versuche ich, ein guter Mensch zu sein, und der kommt einfach so daher und zerstört meinen Traum von einem cheatfreien Battle.Net?
Dabei war das doch quasi zum Greifen nahe, oder nicht? Ich meine, man hätte nur noch ein paar Items verschenken müssen, ein paar Anfängern die Skillung einer Zauberin erläutern, einen weiteren Bruchteil der Cheater bannen, und schon wären wir alle fröhlich wie die Schafe durch ein paradiesisch reines Battle.Net getollt, oder?
Nur noch ein paar Guides mehr, einige Tabellen hier und dort, eine aufklärende Diskussion zum Thema Dupes … und alles wäre gewesen wie im gelobten Land! Alle bösen Menschen im Netz hätten sich freiwillig gebessert, und keiner hätte mehr anderen die Accounts gestohlen!
Nur noch ein Ruststorm mehr, vielleicht noch ein kleiner Patch, und ein paar warme Worte von Blizzard! Anfänger wären freundlich empfangen und auf einer kleinen rosa Wolke zum ersten Level-99-Charakter begleitet worden, und die Duper hätten ihre Fehler eingesehen und die gesamte über eBay verdiente Kohle nach Afrika gespendet.
Aber es hat eben einfach nicht sein sollen. Und Schuld ist nur der Psychiater.