LootBox Aufregung – Auswirkungen auf Diablo?

Unfair und teuer: Pay to win

Was bei unserer Diablo-Serie noch klassisch ist, aber woanders bereits ausgiebig zum Geldverdienen genutzt wird ist das LootBox-System. Darüber ist in den letzten Wochen ein heftiger Streit bis hin in die Politik hinein entbrannt. Aber erst einmal, worum geht es überhaupt?

Allgemein sind LootBoxen eine Ansammlung von virtuellen Dingen in einer virtuellen Kiste, welche durch Nutzung temporär oder dauerhaft  wirken können. Dabei können sie entweder das Spielgeschehen positiv für den Käufer beeinflussen oder einfach nur das Aussehen eines Chars oder seines Zubehörs verändern.
LootBoxen können in Form einer Belohnung für erreichte Spielziele ausgeschüttet werden (Bounty-Kisten in Diablo 3, Gold für Zwischenziele, kleinere Aufgaben etc.). Das findet man eher in klassischen Games wie Diablo.

Mit dem wachsenden Erfolg von anfänglich kostenlosen Spielen welche sich durch Ingame-Käufe finanzieren wird der Begriff der LootBox zunehmend für käuflich zu erwerbende Items oder Itemsammlungen innerhalb eines Spiels verwendet. LootBoxen zu verkaufen ist für Spielehersteller hochinteressant. Sehr viele Spiele enthalten mittlerweile ein ausgefeiltes System für Ingame-Käufe, wie z.B. Overwatch und viele andere.

Im Speziellen unterscheiden sich LootBoxen aber doch erheblich.

LootBox für eine oder mehrere erfolgreiche Ingame-Handlungen mit bekanntem Inhalt: Klassische positive Motivation (Belohnung) Beispiel: Reapers Wraps

LootBox für eine oder mehrere erfolgreiche Ingame-Handlungen mit unbekanntem Inhalt: Keine echte Belohnung, nur die Aussicht darauf, Beispiel: Kadalas Items, Random Drops, auch Bossdrops, wo nur die Anzahl der Items, aber nicht die Qualität bekannt oder abschätzbar ist (Greater Rift Bosse z.B.)

Diablo 3 hat über die Jahre ein recht erfolgreiches LootBox-System entwickelt welches dem Spieler, mit Ausnahme von Spielzeit und etwas Skill, nichts kostet. Die klassische Variante eben.

Neueren Datums sind folgende LootBox-Entwicklungen

LootBox gegen Geld mit bekanntem Inhalt: Klassischer Ingame-Kauf.
LootBox gegen Geld mit unbekanntem Inhalt: Hat ein bisschen was von Glücksspiel.
LootBox gegen Geld mit  bekanntem spielbeeinflussendem Inhalt: Pay-to-Win-Ingame-Kauf.
LootBox gegen Geld mit unbekanntem, spielbeeinflussenden Inhalt: Ganz klar Glücksspiel.

Jedenfalls dann, wenn LootBoxen gegen Geld Vorteile im Spiel versprechen kommt ein schlechter Beigeschmack auf: Was jene sich mühsam erspielen, kaufen sich andere einfach und bringen so die Spielbalance durcheinander.

Das EA Disaster

Der Spielehersteller Electronic Arts hat sich mit dem LootBox-System des Team-Shooters „Star Wars Battlefront 2“ offenbar keinen Gefallen getan. Spieler beschwerten sich in der Beta-Phase über das mangelhafte Fortschrittssystem welches die Spieler oft zu Ingame-Käufen von LootBoxen zwang, wollten sie substantiell vorankommen. Ihr Inhalt war teilweise nicht bekannt, aber die Preise für derartige Ingame-Käufe gingen beispielsweise von 5 Dollar für ein paar Credits hoch zu 90 Dollar für 12.000 Credits und das für ein Vollpreis-Spiel von mindestens 60 Euro.

Als Anmerkung: Wenn man sich „Anakin Skywalker“ freischalten will, muss man sich die Credits entweder mühsam über Ingame-Belohnungen verdienen was Wochen dauern kann oder eben mindestens fünf große Credit-Packs zu je 90,00 Dollar kaufen … Die LootBoxen in Form von z.B. so genannten „StarCards“ die hier das eigentliche Thema sind, waren auch nicht günstig (Credits) und hatten zudem noch einen ungewissen Inhalt in Form der Anzahl von Crafting-Mats welche man für die Aufrüstung seiner Truppen zwingend benötigte.

Zum Release des Spiels  in diesem Monat hat EA mit dem Entwickler DICE (nomen est omen) das LootBoxsystem entschärft und das Spiel so umgestaltet dass die besten Items nur durch Ingame-Erfolge erhalten werden können. Ingame-Käufe wurden kurz darauf vorerst vollständig aufs Eis gelegt, weil wohl Disney als Halter der Marke „Star Wars“ einen Image-Schaden befürchtet.

Der Schaden ist aber bereits angerichtet, denn nun interessiert sich auch die Politik für dieses System und kündigt vollmundig Versprechungen an, man wolle derartige Ingame-Käufe in Zukunft in Europa verbieten. Als Grund wird die finanzielle Gefahr hervorgehoben, das Suchtpotential und inbesondere kritisiert, dass man bei jungen Spielern eine falsche Haltung fördere, nämlich, dass man sich durch echtes Geld virtuelle Verdienste und Vorteile erwerben könne, man müsse nur ein wenig Glücksspiel betreiben.

Das ist nicht von der Hand zu weisen. In einigen asiatischen Ländern wie Südkorea oder China gibt es bereits jetzt strenge Regularien wie mit Glücksspielelementen im Spiel umgegangen werden soll. Europa und der Rest der Welt ist noch nicht so weit.  Die Zeitung „The Washington Post“ zitiert den Spielejournalisten Jim Sterling, welcher der Entwicklung dieser Ingame-Käufe kritisch gegenübersteht mit folgendem Inhalt:

Über längere Zeit gesehen werden Unternehmen, wie ich denke, sehen wie weit Sie dieses Spiel noch treiben können. Das ist nicht das erste Mal dass eine Firma zuviel in zu schneller Zeit wollte und zurückrudern musste um sich dann in sehr kleinen Schritten doch wieder an das gewünschte Endergebnis heranzutasten, nämlich dem Kunden das meiste Geld bei geringstem Aufwand aus der Tasche zu ziehen.

 

Tja, Blizzard forciert zur Zeit auch Ingame-Käufe wie man bei Overwatch sehr schön sehen kann. Aber, hier ist der Kauf nicht spielbeeinflussend, man kauft sich halt ein paar Skins, ist aber aus spielerischen oder Balance-Gründen nicht gezwungen dazu. Blizzard hat die Aufregung über die im Kern unfaire Mechanik des Pay-to-Win schon aufgegriffen und – ohne den neuen Team Shooter beim Namen zu nennen, folgendes anlässlich der kostenlose Freigabe von StarCraft I gepostet:

Blizzard No Pay to win

 

Was meint Ihr? Wo geht die Reise hin, gerade auch im Hinblick auf Diablo 3 oder ein künftiges Diablo 4? Leben wir noch auf einer Insel der Seligen und wenn ja, wie lange?

 

Andi - Staffie bei indiablo - mehr oder weniger freiwillig :D aus Stuttgart/Benztown

Alter: Wollt Ihr nicht wissen. Geschlecht: Wißt Ihr wenn Ihr Profile lesen könnt Hobbys: Viel zuviele und Diablo versteht sich Sonstiges: Ne Menge, da reicht der Platz nicht... Beruf: Leider nix mit Diablo 3 :)

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Comments
MrGracy
Nachdem ein DLC in D3 Einzug gehalten hat, wären auch käuflich erwerbbare Lootboxen denkbar.
Aber was könnten diese enthalten? Mats? Oder bestimmte Legs? Eventuell sogar welche, die man auf keinem anderen Weg finden kann?

Generell hab ich nichts gegen Lootboxen. Da aber manche nicht damit zurecht kommen (im Sinne von viel Geld ausgeben für "nichts", besonders in jungen Jahren), wäre es sicher nicht verkehrt, wenn die Hersteller / Anbieter immer gut überlegen, was sie an den Mann / die Frau bringen wollen.
Ziger
Ich denke mal in D3 wird das nicht mehr kommen. Aber wenn man sich die anderen "neuen" Blizzardtitel ansieht (Overwatch, Heroes, WoW), haben die alle eine Mechanik die laufend Geld generieren kann. OW+Heroes haben Lootboxen, WoW ein Abo... D3 hatte ein Auktionshaus. Ich denke mal wenn ein D4 rauskommt, wird da auch was eingebaut sein wo sie auch nach dem Kauf des Titels weiterhin Geld von uns wollen.
Lootboxen denk ich eher nicht, das passt relativ schlecht in ein Game das auf loot finden als einer der Hauptmotivatoren aufbaut.
neithan02
Die Frage ist doch eher, ob es content ist, der inter ner paywall verschwindet, oder ob es sich nur m cosmetics handelt.

Grundsätzlich ist imo ein regelmäßiger Geldfluss nichts schlechtes, irgendwie müssen die Server ja auch am Laufen gehalten werden. Wenn man da z.B. auf EA schaut, die geben im Jahr ~ 650 Millionen Dollar für Hardware aus. Bei Blizzard kann sich der D2 Spieler z.B. beim WoW Spieler bedanken für kostenloses Battlenet, gab zwar keinen Service aber zumindest wurde den Servern der Strom nicht agestellt.

jedoch: Wenn ich schon ein Pay 2 win habe, dann will ich das nicht in nem Vollkostenspiel sehen. Und mal ehrlich, ne Online Only Komponente gefällt mir perönlich auch nicht., wird uns aber mit D3 beispielsweise bevorstehen, irgendwann gehen die Server aus.
TheSlayer
Etwas paytowin ist nicht schlecht. Finanziert wie schon angesprochen die Server, laufend neuen Content usw.
Cosmetics und kleine Sachen wie eine neue Klasse ala Totenbeschwörer werden imo in D4 sicher kommen. Das ist neuer und auch sinnvoller Standard.

Ich würde sogar so weit gehen, dass es okay wäre sich ein volles Set in D3 kaufen zu können.
Man will neue Klasse probieren und hat keine Lust lange zu farmen. Wieso nicht für 5 Euro sich ein Set kaufen (und natürlich Char auf Lvl 70).

Absolutes No-Go sind spielentscheidende Sachen, also ein z.B. Set in Ancient.
Ich glaub auch nicht dass Blizz über so etwas nachdenkt. Damit wäre für viele sofort die Motivation weg. Bisschen wie mit dem alten AH wo handeln weitaus effektiver als spielen war.
neithan02
Dann schaue ich auf riot Games und LoL und sehe Millionen für Cosmetics, ohne pay to win.

Würde ich persönlich bescheuert finden, da du eben keine Erfahrung sammelst und dich nicht durchboxt und schaust was wie funktioniert. Du hast kein Gefühl für den Char.
Mal davon ab, dass du z.B. in D3 schon die Systeme hast, um ein hochspielen auf 70 ne kurze Angelegenheit zu machen mit den levelsets und Juwelen

und dass neuer Content bezahlt wird ist ein alter standard, was man zu d2 zeiten und davor noch Patch nannte, wurde dann DLC/add on
fraglichegeschichte
Solange lootboxen nur als kosmetischer Beigeschmack angeboten wird ohne spielerische Vorteile zu generieren ist das völlig legitim und in meinen Augen auch eine methode ein Spiel nach Release finanziell am Leben zu erhalten für zukünftige kostenlose patches und natürlich serverkosten.

PoE macht das mit vielen intelligenten Kniffel. Z.B. um öffentlich zu traden mit anderen brauchst du premium tabs, aber du kannst es auch ohne, nur ist es was umständlicher am Ende. Genauso wie andere Tabs für speziele Ordnung. Sind alles Dinge die man nicht muss, aber machen kann, haben am Ende eher komfortable Vorteile, aber das spiel bleibt am Ende gleich stark, genauso wie die optischen Sets. Insgesamt also wenn gegeben ist, dass es die Balance nicht beeinträchtigt, dann kann gern ein Spielehersteller durch Lootboxen oder anderen Dingen inhalte verkaufen.
DameVenusia
Kosmetische Items stehen ausser Frage. Da ist es vollkommen egal. Nehmen wir aber jetzt das oben angesprochene "neue" 6er-Set für fünf Euro in Non-Ancient mit Zufallswerten.

Spontan hätte ich gesagt "Was solls, wer sich die Mühe nicht macht soll halt löhnen..." andererseits wird die Grenzziehung zu wirklich wertvollen und Vorteile bringenden Items schwierig. Kann ich das gleich am Anfang der Season kaufen habe ich sofort einen Char der ein bisschen was reissen kann, jedenfalls auf T13 und habe einen echten Vorteil. Für Leute die Zweitchars ausrüsten wollen (Meta...) ergäbe sich ebenfalls eine schnelle Alternative. Andererseits ist der Vorteil nicht wirklich dauerhaft weil es eben noch Ancient Items und Primal Ancient Items gibt und jeder andere die Set Teile in überschaubarer Spielzeit gedroppt bekommen kann oder bei Kadala gambelt.

Es wird für D3 (wenn sowas überhaupt kommt) oder ein künftiges D4 auf Fingerspitzengefühl ankommen was für andere! Spieler noch erträglich ist oder nicht. Das Stichwort des "Komforts" greife ich hier mal auf. Es ist bequemer sich was zu kaufen als es sich zu erspielen. Ich denke, andere Spieler würden das tolerieren wenn der Vorteil nicht dauerhaft bzw. spielentscheidend ist.
TheSlayer
Guter Punkt mit Season, hab ich nicht bedacht.
Man müsste kaufbare Sets die ersten Tage der Season dann sperren.

Später finde ich es wie gesagt Wuppe. Ob man einige Stunden farmt, oder sich für nen paar Euro sich das spart, so what. Hat für niemand Nachteile.
Bei WoW wird das imo gut gemacht. Dort kann man sich im AH für Geld sehr viele Sachen kaufen, den Levelprozess oder das Ausrüsten deutlich abkürzen. Trotzdem ist WoW in keinster Weise pay-to-win.
Xkl1
Pay to win ist immer abzulehnen!

Es mag einigen egal sein, aber es ist nicht in ordnung wenn einige Leute wo hinein kippen wegen sehr gefinkelter Glücksspielmechaniken und viel Geld verlieren.
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