Das indiablo D3 Entwickler Interview (3)

indiablo Interview Wyatt Cheng und Leonard Boyarsky Blizzcon 2014

Hier kommt der dritte und letzte Teil des Exklusiv-Interviews von inDiablo.de mit dem Senior Technical Game Designer Wyatt Cheng und dem Senior World Designer Leonard Boyarsky. Diesmal geht es um Edelsteine in Waffensockeln, eine sehr romantische und beinah philosophische Betrachtung darüber wie die Nutzung des Internets die Spielwelt verändert hat, über Mißbrauch von Handelsmöglichkeiten und über PvP. Was dabei rauskam, lest selbst:

inDiablo.de: Jede Waffe benötigt einen Sockel, und ein Spieler muss generell einen grünen Edelstein sockeln. Wann macht ihr andere Möglichkeiten verfügbar? Denn meiner Meinung nach ist ist es seit dem Release von Diablo ein Smaragd. Gibt es dazu irgendwelche Pläne?

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Wyatt Cheng: Auf diese Frage gibt es viele mögliche Antworten. Auf einem gewissen Level ist es ein Problem, ein wirkliches Problem. Aber es ist kein Problem, welches das Spiel kaputt macht.

Ich nehme ein altes Beispiel: erinnerst du dich an die Zeit vor Reaper of Souls, als die Leute viel darüber geredet haben, welchen Edelstein sie für den Helm benutzen? Man konnte durch den Helm entweder Magicfind, Goldfind, Erfahrung oder Leben bekommen und die Leute wählten Erfahrung. Jetzt nimmt niemand mehr den Erfahrungsedelstein. Und das obwohl wir den Edelstein überhaupt nicht verändert haben. Das Spiel hat sich verändert.

Somit müssen wir manchmal, wenn wir über Änderungen am Spiel nachdenken, abwägen: wie groß ist das Problem wirklich versus wie dramatisch würden die Änderungen sein; und dabei nicht nur für die Hardcoregamer, welche die News verfolgen und die Änderungen und Hintergründe verstehen, sondern für die Millionen von Spielern, die nicht täglich auf Fanseiten unterwegs sind, sondern einfach nur spielen. Wenn wir sagen würden: „keine Kritische-Trefferschaden-Smaragde für Waffen!“ würden sie sich eines Tages einloggen und wüssten nicht, was passiert ist. Da es kein großes, spielzerstörendes Problem ist, haben wir ein Auge darauf, lassen uns mit einer Lösung aber Zeit.

Neben dem Rubin im Helm haben wir den Diamanten hinzugefügt und die Leute hatten damit eine weitere interessante Alternative. Wir hatten auch viel coolere legendäre Gegenstände. Manchmal war man bestrebt anstatt eines Sockels einen coolen legendären Effekt zu erhalten. Inzwischen benutzten manche Spieler einen Helm ohne Sockel, da ihnen vier Affixe statt drei plus Sockel lieber sind. Wir haben den Schwerpunkt vom Paragongrinding zum Itemfarmen verschoben. Die Spieler sind darauf fokussiert ihr Paragonlevel zu maximieren aber alles darum herum verändert sich.

Wenn ich auf die Edelsteine in den Waffen schaue sehe ich einen Edelstein, der mich sehr gut heilt – der Amethyst. Wenn das Spiel sich dahingehend verändern würde, dass Heilung wichtiger als Schaden ist, würden die Leute wechseln. Es gibt einen Edelstein, der meinen Schaden gegen Elitegegner erhöht. Würde sich das Spiel so verändern, dass das Töten von Elitegegner das vorrangige Ziel ist, würden die Spieler wechseln. Vielleicht gibt es einige notwendige Änderungen um das wirklich zu erreichen, aber wir sind nicht in Eile, dieses Problem anzugehen. Aber … ich will meine weitschweifende Antwort damit abschließen, hervorzuheben, dass es momentan nicht perfekt ist. Nicht alles wird perfekt, aber wir werden sehen.

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Diablo 3 News Trenner

inDiablo.de: Gestern sagte Johnny Ebert, dass wir vielleicht Handelsmöglichkeiten sehen würden, vergleichbar mit den Geschenken, welche es in der Konsolenversion gibt. Kannst du darüber etwas sagen?

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Wyatt Cheng: Inzwischen wissen wir, dass das Auktionshaus die Belohnungsspirale stark abgekürzt hat. Und wir wollen nicht, dass der Handel den Spielern das Spiel ruiniert. Da war etwas, das du vorher zum Handel gesagt hattest …

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Leonard Boyarsky: Hätten wir eine magische Kugel oder einen sicheren Weg, der garantieren würde, dass ihr nur mit euren Freunden handeln würdet und es nicht in einem Exploit ausarten würde, würden wir es sofort machen. Mit der Community und dem Co-op ist das offensichtlich unsere höchste Priorität. Aber eines der Dinge, die wir mit dem Auktionshaus versucht haben war es den Kreislauf des Schwarzmarktes klein zu halten und Exploits zu verhindern und um es unverblümt zu sagen: es hat nicht so funktioniert, wie wir es uns vorgestellt hatten.

Wir sind dauernd damit beschäftigt solche Sachen auszuprobieren. Aber unsere größte Sorge ist es, dass damit das Spiel destabilisiert wird, die Wirtschaft ist beinahe so komplex wie in einem MMO. Es ist eine heikle Angelegenheit, die man selbst mit den besten Absichten an die Wand fahren kann.

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Wyatt Cheng: Diablo ist dann am besten, wenn diejenigen den besten Loot erhalten, die Monster töten. Nicht die Spieler, die am besten mit dem Auktionshaus spielen. Nicht die Spieler, welche am meisten Freunde in der Freundesliste haben. Nicht die Leute, die in einem gigantischen Clan sind. Derjenige, der am effektivsten Monster tötet soll den besten Loot erhalten. Und genau so ist es momentan. Und wir werden nichts machen, was diesen Zustand aufs Spiel setzten könnte.

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Leonard Boyarsky: Ich denke das Auktionshaus ist ein guten Beispiel um zu zeigen, dass alles schön und gut ist, so lange die Intention dahinter ist „Ok, hier ist etwas, das ich meinem Freund schenken will“. Aber sobald es eine effizientere Möglichkeit gibt etwas auf andere Art und Weise zu machen / nutzen (wie z.B. mit dem Auktionshaus) werden es die Leute machen. Man kann nichts dagegen unternehmen, so ist die menschliche Natur.

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Wyatt Cheng: Weißt du was ich immer denke, wenn ich an das Auktionshaus denke: Die wirklich engagiertesten Mitglieder unserer Community fragen immer „Wann bekommen wir den Handel zurück?“ und sie sagen „Ich liebe Diablo 2 und vermisse es“. Die Wahrheit ist: wir sind jetzt in einer anderen Welt! Weißt du was ich vermisse (und was Leonard vielleicht ein bisschen nachvollziehen kann)? Ich vermisse Adventurespiele mit richtig schwierigen Rätseln. Was ist mit ihnen passiert? Das Internet ist mit ihnen passiert. Ein aktuelles Adventurespiel wie Kings Quest oder Space Quest, einige dieser richtig alten Spiele, die mit richtig bizarren Rätsel aufwarten: sobald ein Spieler auf etwas stößt, das nur im entferntesten schwierig ist … google! Das gleiche würde hier passieren. Wenn wir kein Auktionshaus gehabt hätte? Ebay. Richtig? Oder eine Thirdpartyseite, Schwarzmarktseiten, gib deine Accountinformationen her, deinen Battle Tag.

Wenn man auf die Anfänge von WoW schaut, während der Beta: Thottbot, wowhead. „Wo gebe ich die Quest ab?“
Ich habe wundervolle Erinnerungen an das Spielen von Diablo 2, ich habe wundervolle Erinnerungen an das Spielen von Adventurespielen, RPGs, ich habe wundervolle Erinnerungen an das Spielen mit Trading Card Spielen. Magic the Gathering? Wo der Wert nicht auf den Karten stand und man einfach gehandelt hat. Das passiert nicht mehr. Warum? Weil das Internet alles demokratisiert, jeder weiß, was eine Karte wert ist, jeder weiß, was wieviel wert ist. Das Internet hat die Welt verändert. Es ist nicht vernünftig … ich meine, wir können uns diese Dinge wünschen, aber wir können nicht zurück gehen, da das Internet alles verändert hat.

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inDiablo.de: Also … ist es möglich, dass Edelsteine oder Craftingmaterialien handelbar werden? Was ich am Auktionshaus (und auch bei WoW) mag ist, dass man diese Materialien sehr einfach erhalten kann. Die richtig guten sind teuer, aber …

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Wyatt Cheng:Hast Du schon ein Höllenfeueramulett?

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inDiablo.de: Nein, noch nicht.

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Wyatt Cheng: Also denke ich wir kommunizieren das nicht gut genug. Aktuell haben wir den Abenteurmodus und haben für euch Rifts und Greater Rifts. Ich liebe, wie beim Hellfirering, die Reise, um das Hellfireamulett zu erhalten, wofür man einige Komponenten benötigt. Ich denke, wir versuchen davon weg zu kommen, dass man schnell an beliebigen Stellen Materialien farmt und dann damit zum Schmied geht. Stattdessen versuchen wir den Fokus auf große Abenteuer zu legen, wo man diese Bosse in unterschiedlichen Gebieten besiegen muss und die Organe sammeln muss, um das Hellfire Amulett Ritual zu zelebrieren.

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inDiablo.de: Seid ihr noch an PvP dran oder wurde das für immer abgehakt?

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Wyatt Cheng: Wir begrüßen den Geist des Wettkampfes sehr, mit Leaderboards und Seasons. Aber momentan, bei der Art und Weise wie Legendäre Gegenstände gemacht werden, beschäftigen wir uns mehr damit, dass sich eure Chars im PvE fantastisch und mächtig anfühlen, als im PvP. Momentan will ich kein PvP, weil ich nicht gegen einen Wizard antreten will, der dauernd teleportiert. Wir haben den Gegenstand ins Spiel gebracht, weil er PvE richtig fantastisch macht, wir designen das Spiel jetzt so, dass PvE so gut wie möglich wird, und das manchmal auf Kosten von “das wäre nicht lustig, wenn ich dagegen antreten würde”.

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inDiablo.de: Vielen Dank dass Ihr Euch die Zeit genommen habt!

Wieder interessante Einblicke! Was die Handelsmöglichkeiten angeht – eine klare Absage zur Zeit. Falls jemand eine Idee für einen Hundertprozenter hat wie man Exploits beim Handeln vermeidet – her damit ;)

Andi - Staffie bei indiablo - mehr oder weniger freiwillig :D aus Stuttgart/Benztown

Alter: Wollt Ihr nicht wissen. Geschlecht: Wißt Ihr wenn Ihr Profile lesen könnt Hobbys: Viel zuviele und Diablo versteht sich Sonstiges: Ne Menge, da reicht der Platz nicht... Beruf: Leider nix mit Diablo 3 :)

Diablo 3 MMO? Nein - sagt Kevin Martens Das indiablo.de D3 Entwickler Interview (2)